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Emmerich
Kunst im Verborgenen

Emmerich: Kunst im Verborgenen
Die meterhohe Fensterwand im Treppenhaus des alten Hauptzollamtes wurde 1990 für den Emmericher Kunstverein von Heinz Magr Panciera fotografiert. Rechts: Das unter denkmalschutz stehende Gebäude, dessen Zukunft nach wie vor ungewiss ist. FOTO: Andreas Endermann
Emmerich. Im Innern des alten, leerstehenden Emmericher Hauptzollamtes an der Rheinpromenade befindet sich eine Fensterwand, die von Georg Meistermann stammt. Er galt als einer der führenden Künstler der Glasmalerei. Von Markus Balser

Die Auszeichnungen, die Georg Meistermann für sein Werk erhielt, sind fast so zahlreich wie die Spuren, die dieser Künstler hinterließ. Meistermann (1911 - 1990), der unter anderem als Professor an der Frankfurter Städelschule, an der Akademie der Bildenden Künste München und an der Kunstakademie Düsseldorf lehrte, war Maler, Zeichner und Graphiker.

Neben vielen kirchlichen Arbeiten entwarf er unter anderem die WDR-Glaswand in Köln (1952), ein Fresko für das ZDF-Sendezentrum (1974) und ein Portrait Willy Brandts (1977) für das Bundeskanzleramt, das zu besonderer Berühmtheit gelangte, weil es von Helmut Kohl abgelehnt wurde.

Für eines war er jedoch besonders bekannt - seine Glasfenster. Über 1000 davon schuf er an rund 250 Orten in ganz Europa.

Ein Werk Meistermanns, dem die Stadt Wittlich in Rheinland-Pfalz sogar ein eigenes Museum gewidmet hat, befindet sich in Emmerich. Unbemerkt von der Öffentlichkeit und fast in Vergessenheit geraten. Denn die mehrere Meter hohe Fensterwand, von der hier die Rede ist, befindet sich im alten Emmericher Hauptzollamt an der Rheinpromenade. 1954 hatte es Meistermann für dieses Gebäude der öffentlichen Hand gefertigt. Die mehrere Stockwerke hohe Fensterwand befindet sich im Treppenhaus an der rückwärtigen Seite des Gebäudes. Das in Blautönen gehaltene Werk symbolisiert den Blick auf den Rhein. Der niederrheinische Himmel, Lichtreflexe, Vögel am Horizont und Wellen - all das lässt sich in dieser abstrakt gehaltenen Komposition aus strengen, diagonal verlaufenden Linien und feinen Zeichnungen wiederfinden.

Die Glaskunst, die Fassade und das Treppenhaus selbst waren Gründe für den Landschaftsverband, den gesamten Komplex unter Denkmalschutz zu stellen. Doch bis auf die imposante Fassade bleibt dieses künstlerische Kleinod für die Öffentlichkeit unsichtbar. Denn das alte Hauptzollamt steht seit Jahren leer. Zwar wurde es an einen niederländischen Investor verkauft, der dort Wohnungen und ein Restaurant entstehen lassen wollte, doch sind diese Pläne, wie berichtet, erst einmal ad acta gelegt worden. Die Zukunft des Zollamtes, das wieder zum Verkauf steht, ist ungewiss.

Damit das Fenster Meistermanns keinen Schaden nimmt, wurde es von außen mit Brettern vernagelt. Nur wer durch die verschlossene Eingangstür des Hauses schaut, kann einen Blick davon erhaschen. Endstation für das Werk eines bedeutenden Künstlers?

Heinz Magr Panciera, der die Fensterwand Meistermanns 1990 für die Jahresgabe des Emmericher Kunstvereins fotografierte, ist noch heute angetan von der Wucht, die dieses Kunstwerk ausstrahlt. Er bedauert es sehr, dass es der Öffentlichkeit nicht zugänglich gemacht wird: "Neben dem Schrottkreuz von Waldemar Kuhn ist es eines der wenigen bedeutsamen, die wir hier in der Stadt haben."

Auch das infoCenter Emmerich hat das Kunstwerk noch auf dem Schirm. Bei Führungen an der Promenade wird regelmäßig darauf hingewiesen. "Zeigen können wir es leider nicht, weil das Gebäude verschlossen ist", sagt Tourismus-Chefin Manon Loock-Braun. Mit den Eigentümern möchte sie jedoch gerne deshalb Gespräche führen. "Attraktiv wäre eine solche Führung auf jeden Fall."

Quelle: RP
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