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Emmerich
Kunst in leerstehenden Läden lockt an

Emmerich: Kunst in leerstehenden Läden lockt an
"Was machst Du da?" Oliver Kretschmann sorgt mit seiner Lichtkunst für Aufmerksamkeit, wie man unschwer erkennen kann. FOTO: Markus van Offern
Emmerich. Mehr als 20 Geschäfte in Emmerich sind verwaist. Damit diese möglichst schnell wieder vermietet werden können, gibt es eine Reihe von Ideen. Unter anderem besteht die Hoffnung, dass auch die Werbegemeinschaft wieder aktiver wird. Von Monika Hartjes

Blubbernde Blasen und sich verändernde filigrane Mosaike "kriechen" an den Wänden des leerstehenden Ladenlokals an der Steinstraße 6 entlang. So mancher Passant bleibt verwundert stehen und schaut sich das bewegliche Bild an. Der Lichtkünstler Oliver Kretschmann will mit dieser Licht-Installation neugierig machen. "Ich bespiele diese Wände, sie leben. Durch die interessante Architektur des Raumes entstehen verschiedene Flächen, die teilweise dreidimensional wirken." Eine Schale Seifenwasser mit Glasscherben, in der Luft hineingeleitet wird, sorgt mittels eines Overheadprojektors für die faszinierenden Bilder an der Wand. Diese Vorrichtung steht im Schaufenster. So kann jeder Passant beobachten, wie diese Installation mit einfachsten Mitteln gemacht wird.

Unterstützt vom Wirtschaftsförderer Sascha Terörde und Makler Rainer Elsmann konnte Kretschmann seine Kunst in dem Ladenlokal verwirklichen. "Wir sehen es als eine besondere Art von Werbung an. Kunst in Leerständen ist schon länger ein Thema. Durch die sich bewegenden Bilder schauen die Leute noch interessierter hin", sagt Sascha Terörde. "Dadurch bekommen sie eine andere Wahrnehmung dieser Räumlichkeiten. Besser als jedes Werbeplakat."

Ziel sei es natürlich, die Leerstände zu füllen. Mehr als 20 leerstehende Geschäfte gibt es in Emmerich. Die Einzelhandelsmieten liegen laut IHK-Mietspiegel von 2016 zwischen sieben und acht Euro - und das in 1A-Lage. Vergleichsweise sehr gering, wenn man dagegen Kleve sieht, wo die Miete zwischen 27 bis 45 Euro pro Quadratmeter liegt. Ein Grund, warum diese Ladenlokale nicht gefüllt werden, sei der Renovierungs- und Sanierungsstau, so Terörde. Aber auch die Emmericher selbst, die ihre Stadt einfach nur schlecht reden oder auf Facebook als "tote Stadt" bezeichnen. "Vor lauter Leerstand-Diskussionen übersieht man die Qualität, die die Rheinstadt zu bieten hat. Dabei sollten gerade auch die Emmericher erkennen, dass ihre Stadt das 'kleine Tor zur Welt' ist. Über die Autobahn, mit der Bahn und sogar per Schiff kommt man schnell in die Niederlande oder ins Ruhrgebiet."

Die meisten leerstehenden Ladenlokale sind im Durchschnitt zwischen 60 und 100 Quadratmeter groß. "Um hier Handelsketten unterzubringen, bräuchte man mindestens die doppelte bis dreifache Größe", so Terörde. Probleme für eine Zusammenlegung seien unter anderem die unterschiedlichen Eigentümer, aber auch bauliche Hindernisse wie unterschiedliche Bodenniveaus. Das ISEK sieht vor, dass Immobiliengemeinschaften aktiviert werden, damit Nachbarn ins Gespräch kommen und sich vielleicht zusammentun. Ein weiterer Punkt zum Vorteil der Stadt ist die Werbegemeinschaft, die mit ihrem neu gewählten Vorstand wieder aktiver werden möchte.

Aktionen wie das Kunstprojekt sind nur ein Anstoß, um auf die Qualität der Räume aufmerksam zu machen. Für weitere Ideen ist die Wirtschaftsförderung jederzeit offen. "Wir unterstützen Aktionen, Aktivitäten und Eigeninitiative gerne." So werden die künstlerischen Aktivitäten noch ausgeweitet, gerade auch in der Steinstraße, dem "Sorgenkind der Stadt".

Oliver Kretschmann, der bereits das Haus im Park und "de wette Telder" mit seinen Lichtspielen in Szene setzte, möchte eine Fotoausstellung mit künstlerisch bearbeiteten Fotos von leerstehenden Geschäften unter dem Titel "Leerstände im Lichterglanz" im Rahmen des Festes "Emmerich im Lichterglanz" eröffnen.

Quelle: RP
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