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Emmerich
Läden müssen auch online präsent sein

Emmerich: Läden müssen auch online präsent sein
Wenn Stadtfest ist in Emmerich, kommen die Menschen in die Innenstadt. Die Händler wünschen sich, dass es immer so ist. Doch ihre Geschäfte gehen nur dann besser, wenn sie auch das digitale Geschäft nutzen, sagen Fachleute. FOTO: Archiv
Emmerich. Der Bürgerdialog des SPD-Bürgermeisterkandidaten Peter Hinze drehte sich um den Strukturwandel im Einzelhandel Von Monika Hartjes

Er spüre bereits ein bisschen Magengrummeln, wenn er an die Wahl am nächsten Sonntag denke, gab SPD-Bürgermeisterkandidat Peter Hinze zu. Da er ein Bürgermeister sein wolle, der den Dialog mit den Bürgern sucht, habe er als einziger Kandidat verschiedene Themen angeboten.

Neben der demografischen Entwicklung und dem Thema "Armut" wurde am Montagabend das dritte Themenfeld bearbeitet: "Strukturwandel im Einzelhandel - Chancen und Gefahren für Emmerich am Rhein". Nur gut 40 Zuhörer verfolgten die interessanten Vorträge im PAN kunstforum. Professor Gerrit Heinemann von der Hochschule Mönchengladbach sprach über die "Zukunft des Handels", Diplom-Ingenieur Rolf Junker referierte über "Einzelhandel und Stadtplanung". "Ich vermisse die Geschäftswelt heute Abend", meinte einer der Zuhörer.

Dr. Heinemann gab an, dass in den nächsten Jahren ein zweistelliges Wachstum beim Onlinehandel erwartet werde. 2015 wird es in Deutschland rund 50 Millionen Smartphone-Nutzer geben, aber rund 50 Prozent der deutschen Onlineshops sind nicht mobil optimiert. "Der deutsche Handel schläft." Dabei sei Onlinehandel keine Konkurrenzveranstaltung, sondern eine Ergänzung und ein Service. Die Geschäfte werden gewinnen, die das nutzen und eine Kombination anbieten aus Kernladen mit Bedienung und einem teilautomatisierten Bereich. Dabei seien unter anderem weniger lokale Reglementierungen, digitale Aufrüstung, lokale Selbsthilfe durch Zusammenschluss, Koordination und ein professionelles City-Management wichtige Punkte, um den Einzelhandel der Stadt zu erhalten.

"In Emmerich ist es gar nicht so schlimm", erklärte Rolf Junker , dessen Planungsbüro im Jahre 2000 an der Erstellung des Innenstadtkonzeptes und 2010 an der Aktualisierung des Einzelhandelskonzeptes in Emmerich beteiligt war. "Hier gibt es eine Struktur, die passt, die Stadt ist freundlich und es gibt das Riesenpfund am Neumarkt." Man müsse aufpassen, dass es nicht zu einer Qualitätsabwärtsspirale käme durch Ein-Euro-Shops und Tattoo-Läden, das sei der Beginn des Leerstandes. Gut sei ein gesunder Branchenmix. "Eine bessere Zusammenarbeit zwischen den privaten Akteuren ist wichtig, man sollte Öffnungszeiten angleichen und Abgaben für eine gemeinsame Werbung verpflichtend machen." Es sei eine Riesenchance, sich zusammen zu tun, wenn es um digitale Präsenz geht. Auch Mieter und Vermieter sollten sich zusammensetzen und beispielsweise über Miete nach Umsatz nachdenken. Es sollten nur Branchen angesiedelt werden, die passen, Neuansiedlungen dürfen nicht dem Zufall überlassen werden. "Die Stadt sollte ein City-Management anstoßen und unterstützen. Gut wäre es, einen Fahr-Plan für die nächsten zehn Jahre aufzustellen, der mit Ideen und einem Einzelhandelskonzept verknüpft wird und bei dem die Bevölkerung mitwirken kann."

Ein Besucher erzählte, dass die Verwaltung im Steine in den Weg lege. Er müsse für die Vermietung eines Ladenlokals einen Stellplatz vorweisen, der über 5000 Euro kostet. Man müsse sich daher mit dem bestehenden Einzelhandelskonzept beschäftigen, gerade auch im Hinblick auf den Neumarkt, meinte Peter Hinze. "Wir sind richtig unterwegs, wenn wir gute Regelungen schaffen. Alles frei zu geben, kann nicht die Lösung sein." Gut wäre es, alle Akteure an einen Tisch zu bekommen. "Das ist die Aufgabe der Wirtschaftsförderung, die ich heute hier leider vermisse."

Quelle: RP
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