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Emmerich
Lärmschutz auf Abstellgleis ?

Emmerich. Betuwe-Linie: Die Bahn trifft Vorbereitungen, um mehr Güterzüge auf die Strecke zu schicken. Es gibt deutliche Signale, dass die so genannte Blockverdichtung dem Lärmschutz vorgezogen wird. Von Markus Balser

EMMERICH/rees Auf Emmericher Stadtgebiet laufen seit einigen Wochen Arbeiten der Bahn. Kilometer auf Kilometer werden Kabel verlegt, um zunächst den Streckenabschnitt von Elten bis Wesel und dann bis Oberhausen mit modernster digitaler Technik auszurüsten. Diese Kabel stellen die Verbindung zum neuen Elektronischen Stellwerk in Emmerich her, das Ende 2010 in Betrieb genommen werden soll.

Die neue Technik ermöglicht der Bahn nicht nur eine Kostenreduzierung durch weniger Wartung und Personal. Sie ist gleichzeitig auch die Voraussetzung für die so genannte Blockverdichtung, die durch die Betuwe-Linie notwendig wird. Das heißt: mehr Güterzüge in kürzeren Abständen, um die Kapazität der Strecke besser zu nutzen.

Noch fehlt das Geld

Wie viele Züge wann rollen werden, darüber gibt es derzeit noch keine belastbaren Zahlen. Immer deutlicher scheint sich jedoch heraus zu kristallisieren, dass entgegen bisheriger Annahmen erst die Blockverdichtung und dann der Lärmschutz umgesetzt werden sollen.

Zum einen geht dies, wie berichtet, aus einem Schreiben des Bundesverkehrsministeriums an die SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Barbara Hendricks hervor (siehe Info). Zum anderen ist absehbar, dass vom Rotterdamer Hafen aus nach der Wirtschaftskrise wieder mehr Güter über die Schiene transportiert werden. "Mit der Blockverdichtung können wir dann nicht warten bis der Lärmschutz da ist", sagt Bahnsprecher Gerd Felser.

Für die Anrainer entlang der Strecke eine Horrorvorstellung. "Unsere Befürchtung ist, dass die Bahn die bestehende Strecke bis zur Kapazitätsgrenze nutzt, bevor es überhaupt irgendwelche Lärmschutzmaßnahmen gibt", sagt Joachim Joosten. Der Sprecher des Lions Clubs, der sich in der vergangenen Woche noch intensiv mit dem Thema befasste, ist mittlerweile eher skeptisch, ob anders lautende Zusagen – zum Beispiel von Seiten des Bundes – noch eingehalten werden. Das sieht auch Bodo Wißen so. Der verkehrspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion befürchtet: "Erst wenn das dritte Gleis gebaut wird, wird es auch den Lärmschutz geben."

Und wann dies sein wird, ist fraglicher denn je. Denn die Ausbaustrecke Emmerich-Oberhausen gehört zu jenen 46 Projekten der Bahn, die "wackeln". Eine Streichliste existiert zwar nach Lesart der Bahn nicht, jedoch wird die Betuwe-Linie von der DB als Vorhaben aufgeführt, für das noch keine Finanzierungsvereinbarung mit Bund und Land geschlossen worden ist. Das heißt: Noch fehlt das Geld für das 1,2-Milliarden-Projekt.

Quelle: RP
 
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