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Emmerich
Lärmschutz paradox

Emmerich. Burghard Reese wohnt in der Nähes des Bahnhofs an der Essener Straße. Für sein Haus ist Lärmschutz vorgesehen - allerdings nicht zur Bahnstrecke hin. Ein Schreiben an die Bezirksregierung bleibt seit zwei Jahren unbeantwortet. Von Markus Balser

Burghard Reese ist eines der Gründungsmitglieder der Bürgerinitiative "Betuwe - so nicht", die vor etlichen Jahren von Norbert Gieß ins Leben gerufen wurde. Reese wohnt bereits seit dem Jahr 1980 an der Essener Straße, gut 100 Meter vom Bahnhof weg. Mit dem Lärm der Bahn hat der Physiotherapeut über die Jahrzehnte zu leben gelernt. Doch der hat sich über die vergangenen Jahre deutlich geändert. "Er ist permanenter geworden", sagt Burghard Reese. Dass die Bahn mehr und vor allem längere Güterzüge auf die Strecke schickt, hat der 70-Jährige bereits deutlich wahrgenommen.

Seine Familie und die weiteren Anwohner des Quartiers haben aber vor allem unter dem Lärm zu leiden, der durch das Überfahren der zahlreichen Weichen in diesem Bereich entsteht. Auch das gut 45-minütige Wiederaufladen der Druckluftkessel der Züge im Bahnhof trägt zu der Lärmbelastung bei.

Nur gut also, dass sich die Nachbarschaft - etwa zehn Doppelhaushälften sind betroffen - auf den passiven Lärmschutz freuen kann, der für die Häuser dieses Bereiches im Rahmen der Betuwe-Maßnahme vorgesehen ist - sollte man meinen. Tatsächlich ist zumindest Burghard Reese alles andere als begeistert über die Pläne. Denn für sein Haus ist zwar Lärmschutz vorgesehen, jedoch nur zur Seite, die zur Essener Straße liegt. "Mein Wohnzimmer, das eher den Lärm aus Richtung des Bahnhofs abbekommt, soll keinen Lärmschutz bekommen", wundert sich der Emmericher. Auch bei anderen Nachbarn sei das so.

Reese hat deshalb schon vor gut zwei Jahren einen Brief an die Bezirksregierung geschrieben. Und bislang noch keine Antwort erhalten.

Auch ein weiterer, in dem Brief erwähnter Punkt, der Reese und die Nachbarschaft umtreibt, blieb somit unbeantwortet. Nämlich, dass die Essener Straße als Zubringer für den Schwerlastverkehr dienen soll, wenn die Arbeiten an der Betuwe beginnen. Das bedeutet nicht nur zusätzlichen Lärm, sondern auch ein gewisses Sicherheitsrisiko, zumal inzwischen gut zehn noch kleine Kinder in dem Bereich zuhause sind.

Über die noch ausstehende Antwort der Bezirksregierung kann die für den Wahlkreis Wesel zuständige CDU-Bundestagsabgeordnete Sabine Weiss nur den Kopf schütteln. "Das geht gar nicht", sagt die 58-Jährige. Sie wohnt in Dinslaken selbst in der Nähe der Bahnstrecke und kann die Sorgen Burghard Reeses daher gut verstehen. Dessen Schreiben an die Bezirksregierung will die Parlamentarierin nun mit in den Betuwe-Beirat des Bundesverkehrsministeriums nehmen, dem sie angehört.

Aus Berlin hat sie auch Neuigkeiten in puncto Sicherheitskonzept der Feuerwehren mitgebracht. Nach Gesprächen in der Hauptstadt geht sie davon aus, dass eine Entscheidung über die von den Wehren entlang der Strecke geforderten Maßnahmen vor dem nächsten Planfeststellungsbeschluss im Mai/Juni fallen wird. Mit hoffentlich positivem Ausgang. Sabine Weiss ist zuversichtlich: "Die 40 Millionen Euro, die das kosten wird, sind angesichts der Gesamtkosten von rund zwei Milliarden bezahlbar", sagt sie.

Quelle: RP
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