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Emmerich
"Macht und Pracht": Was die Priester in Emmerich trugen

Emmerich: "Macht und Pracht": Was die Priester in Emmerich trugen
Der Baldachin lässt erahnen, welche Pracht die Kirche in Emmerich in vergangenen Zeiten entfalltete. FOTO: Markus van Offern
Emmerich. "Macht und Pracht" lautete in diesem Jahr das Motto des Denkmaltages, der bundesweit stattfand. An diesem Tag werden der Öffentlichkeit zahlreiche Denkmäler zugänglich gemacht. So auch in Emmerich, wo die St. Martini-Kirche mit ihren Schätzen im Mittelpunkt stand. Von Monika Hartjes

Gleich drei Führungen wurden angeboten. Um 14 und 16 Uhr konnten die mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Kostbarkeiten aus dem ehemaligen Besitz des Martinistiftes sowie aus dem Besitz des reichsfreien hochadeligen Damenstiftes Hochelten in der Schatzkammer der Kirche besichtigt werden. Gisela Lensing-Hebben und Pfarrer em. Paul Seesing erklärten Interessantes und Geschichtliches zu den verschiedenen Schätzen.

Um 15 Uhr gab Stadtpfarrer und Dechant Bernd de Baey die seltene Gelegenheit, einen Blick auf die historischen Messgewänder der St. Aldegundis- und St. Martini-Kirche zu werfen. Über 40 Besucher interessierten sich für die Paramente, die meisten aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. "Sie werden in der alten Sakristei aufbewahrt", erklärte de Baey.

Als am 7. Oktober 1944 Emmerich zu 97 Prozent zerstört wurde, sei die Sakristei erhalten geblieben mit ihren Schränken und deren Inhalt. Zunächst wurden die wertvollen Gewänder ins Huis Bergh in ´s-Heerenberg gebracht, wo der Textilfabrikant Jan Herman van Heek sie aufbewahrte und seine Frau sie flickte.

Als nach Napoleon, der die Kirchen vollständig zerschlagen hatte, die katholische Kirche neu aufblühte, zeigte sich das an der Ausgestaltung der Kirchen und der Kirchengewänder. "In Krefeld entstanden im 19. Jahrhundert große Seidenmanufakturen, die qualitätsvolle Stoffe herstellten", erzählte der Dechant. Dort siedelten sich berühmte Paramentenwerkstätten an, in denen viele der in der Martinikirche aufbewahrten Messgewänder gefertigt wurden. Der Stadtpfarrer zeigte Gewänder aus der Aldegundiskirche, die mit Metallfäden versehen waren. "Diese hatten eine besondere Wirkung im Kirchenlicht und im Sonnenlicht." Die "Stäbe" - so etwas wie eine beite Borte - sind bestickt mit Heiligen.

Ausgestellt waren ein Hauptmessgewand, zwei Dalmatiken für Diakone und ein Chor- oder Rauchmantel. "Wie viel wiegt so ein Umhang?" wollte eine Besucherin wissen. "Das sind schon schwere Stücke, nicht gerade für den Sommer geeignet", antwortete Bernd de Baey.

Oft wurden Gewänder nach mittelalterlichem Vorbild nachgewebt oder auch Originalgewänder aus der Gotik mit Stoffen der Renaissance nachgenäht, wie einige Exponate aus dem St. Martini-Fundus zeigten. Ein Gewand war speziell mit der Schrift "st. martinus" bestickt. Ein Fronleichnamsornat war auf den Baldachin abgestimmt und mit gleichen "Fransen" versehen. Zwei mittelalterliche Gewänder - eines aus violettem Seidenstoff , ein anderes in leuchtendem Rot - werden in der alten Sakristei in Glasvitrinen aufbewahrt.

Quelle: RP
 
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