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Emmerich
Mehr Grün für ein besseres Stadtklima

Emmerich: Mehr Grün für ein besseres Stadtklima
Oben: Fassadenbegrünung wie diese an der Promenade kühlt das Mauerwerk. FOTO: Hans Blossey
Emmerich. Das Klimaanpassungskonzept wurde jetzt im Ratsaal vorgestellt: Zukünftig gibt es mehr Tage pro Jahr, in denen es nachts in der City nicht richtig abkühlt. Das hat gesundheitliche Folgen, wenn man nicht gegensteuert.

Klimaanpassungskonzept - ja, das klingt ziemlich sperrig. Aber die Inhalte sind konkret und nicht zu unterschätzen. Wenn es nämlich in Zukunft häufiger nachts so warm ist, dass besonders die älteren Bürger kaum erholsam schlafen können, dann ist das ein ernstes Thema. Es sind sogenannte Tropennächte. Auch Jahrhundertregen wird es häufiger geben, sodass in der Innenstadt etliche Straßen unter Wasser stehen. Wenn man nicht gegensteuert...

Das Konzept, das Dr. Monika Steinrücke, Klimatologin der Ruhr-Universität Bochum, am vergangenen Mittwoch im Ratssaal vorstellte, bietet der Stadt Emmerich Handlungsgrundsätze, die in die Abwägung künftiger Planung einfließen. Nicht alles kann man umsetzen, aber einiges.

FOTO: Flintrop

Die Ruhr-Universität sowie die Firma Eimer Projekt Consulting haben gemessen, dass es in Emmerich große Unterschiede zwischen der Innenstadt sowie dem Ortskern Elten einerseits und den Außenbereichen andererseits gibt, was die Lufttemperatur und -feuchtigkeit angeht: "Die Innenstadt ist nachts durchschnittlich fünf Grad wärmer", erläuterte Dr. Steinrücke. Darauf müsse man sich einstellen. Es werde zunehmend mehr Sonnentage und heiße Tage in Emmerich geben.

Im Konzept sind Hitzeareale erfasst. Und solche Straßenzüge, die es im Jahr 2050 mal werden. Die Forscher haben ermittelt, wo im Moment ältere Bürger wohnen, weil diese besonders betroffen sind: "Die haben Priorität", so Dr. Steinrücke. Wo die Oldies der Zukunft wohnen werden, sei aber nicht absehbar.

FOTO: KRUCK, Johannes

Was kann man in Zukunft tun? Klar ist, dass das Gros der Maßnahmen sich auf die Ortskerne Emmerich und Elten konzentrieren kann. Eine Handlungskarte zeigt Optionen auf.

Zum Beispiel: Freiflächen erhalten, neue schaffen; die kalte Luft, die sich auf den Felder nachts bildet, kann in die City geleitet werden; der Frischluftschneise (siehe Box) westlich des Industriegebietes Klein-Netterden könnte bis zum Friedhof der Weg frei geschlagen werden, was große Abkühlungseffekte für die Innenstadt hätte; Sonnensegel aufstellen, die Schatten geben; innenstädtische Grünflächen schützen; laubabwerfende Pflanzen als Fassadenbegrünung, die im Sommer das Mauerwerk kühlen, im Winter aber Sonneneinstrahlung zulassen; mehr Bäume und mehr Grün in Emmerich.

"Hasse gehört?", sagte dazu prompt Baumfreund Rüdiger Helmich zu CDU-Ratsherr Botho Brouwer. Ganz fatal sei, dass Emmericher Plätze (zum Beispiel der Nonnenplatz, der Geistmarkt, der Alte Markt, hinter der Martini-Kirche) weitgehend nicht grün seien, so Dr. Steinrücke: "Da könnte ein Baum schon nützen."

Irmgard Kulka (CDU) fragte, was mit Sturmereignissen sei. "Ja", unterstrich Dr. Steinrücke, "das spielt eine Rolle. Dazu gibt's im Konzept Vorschläge zu der Art der Bäume, die gepflanzt werden sollten. Aber wie sich Stürme in Zukunft entwickeln werden, da ist sich die Wissenschaft uneinig."

Birgit Sloot (CDU) wollte wissen, warum an zwei Stellen von einer Aufforstung abgeraten werde, wenn doch mehr Bäume gefragt seien: "Sie sind gefragt, aber nicht da, wo die Frischluftschneisen verlaufen", erklärte die Klimatologin der Christdemokratin.

Der Klimaschutzmanager der Stadt Hamminkeln, Alexander Oslislo, regte an, Dächer heller zu gestalten. Im Gegensatz zu Straßenbelegen störe hier die Reflexion der Wärme nicht.

(mavi)
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