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Emmerich
Meine neue Mitte auf dem Segway

Emmerich: Meine neue Mitte auf dem Segway
Heinz Wellmann (vorne rechts), auch "Segway-Instructor" genannt, führt die Touren durch Rees. FOTO: Wellmann
Emmerich. Segway-Touren am Niederrhein werden immer beliebter. Die Rheinische Post wagte den Selbstversuch. Von Michael Scholten

Skifahren? Schlittschuh-Fahren? Mofa-Fahren? Kann ich nicht, da mein Gleichgewichtssinn komplett unterentwickelt ist. Entsprechend empfand ich die Einladung des Reeser Gästeführers Heinz Wellmann, ich solle mit ihm auf eine Segway-Tour gehen, als freundlich verpackte Morddrohung. "Sehr gern", sagte ich heuchlerisch, während ich in Wahrheit dachte: "Nie im Leben!" Die Sorge, dass mich eines dieser elektrisch betriebenen Gefährte erst zu Boden und dann in die Notaufnahme bringen würde, war übermächtig.

Eine Woche später finde ich mich trotzdem am Treffpunkt ein. Auf dem Parkplatz am Reeser Westring, der vor jeder Tour als Trainingslager dient, stehen schon die Segways bereit. Wellmann leistet psychologische Aufbauhilfe: "Um einen Segway zu fahren, muss man nur zwei Dinge können. Erstens: Aus eigener Kraft stehen. Zweitens: Einen Lichtschalter an- und ausschalten!" Ich fühle mich überqualifiziert.

Die theoretische Einführung erfolgt durch Dirk Sauder von "fit 4 SEG": Bis zu 38 Kilometer schafft ein Segway mit einer Akku-Ladung, die Höchstgeschwindigkeit ist auf 19 km/h gedrosselt, doch geübt wird im sechs km/h langsamen "Schildkröten-Modus". Nun wird es ernst: Meine rechte Hand umfasst die Lenkstange, der rechte Fuß landet zügig auf der Trittfläche des Segways, keine Sekunde später folgt der linke Fuß - und als Segway-Neuling zweifele ich an meiner Fähigkeit des aufrechten Ganges. Wellmann gibt Entwarnung: "Sie müssen einfach nur stehen, für das Gleichgewicht sorgt der Segway." Das ist tatsächlich so: Ein Minicomputer errechnet das Gleichgewicht und justiert die zwei unabhängig voneinander betriebenen Räder neu. Dennoch ist anfangs jeder Muskel meines Körpers versteinert. Meine Hände werden eins mit der Lenkstange.

Ich brauche zwei Minuten, um meine neue Mitte zu finden. Dann gebe ich Gas, indem ich meinen Oberkörper leicht nach vorn beuge. Mit der Lenkstange und durch die Verlagerung meines Gewichts steuere ich meinen Segway nach links und rechts. Mache ich die Arme lang und strecke mein Gesäß raus, werde ich langsamer.

Schildkröten-Modus aus, regulärer Modus ein. Mit neuem Tempo gönne ich mir noch so manche Probefahrt auf dem Parkplatz, bevor unsere siebenköpfige Gruppe zu einer dreistündigen Tour bis Bislich aufbricht - immer mit gebührendem Abstand zum Vordermann.

Das Rauf und Runter an der Rheinpromenade und der steile, lange Weg auf den Deich hinauf erfordern noch einmal meinen ganzen Mut. Doch nun merke ich: Meine Angst war unbegründet, die Bedienung eines Segways ist idiotensicher und macht nach kurzer Eingewöhnung richtig Spaß.

Mein Fazit: Aus Angst wurde Leidenschaft. Ich könnt' schon wieder.

Quelle: RP
 
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