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Kommentar
Mensch und Natur ziehen den Kürzeren

Emmerich. Für den Bau der 380-kv-Höchstspannungsleitung sind ökologische Ausgleichsmaßnahmen geplant. Das heißt aber nicht, dass alle gefällten Bäume auch eins zu eins ersetzt werden.

Mit Strom ist es ja so eine Sache. Jeder braucht ihn, jeder will ihn, aber wenn vor der eigenen Haustüre Windräder oder Kraftwerke gebaut werden sollen, sind nur die wenigsten begeistert. Das ist auch bei der Stromautobahn nicht anders, die jetzt im Norden produzierte Elektrizität in den Süden der Republik transportieren soll.

Die Auswirkungen dieses Projekts sind bereits jetzt vor Ort, zwischen Wittenhorst und Millingen, zu beobachten. In Haldern etwa werden im Bereich Schledenhorst zahlreiche Bäume gefällt. Und noch mehr werden folgen, um Platz für die neuen Riesenmasten und die dafür benötigten Sicherheitstrassen zu schaffen.

Wie das nun mal bei solchen Projekten immer der Fall ist, sind auch ökologische Ausgleichsmaßnahmen vorgeschrieben und geplant. Die werden aber, von einigen Nistkästen abgesehen, vorrangig an derer Stelle vorgenommen: in Heeren-Herken sind fünf Hektar dafür vorgesehen, in Grietherort 2,1 Hektar und in Isselburg 9000 Quadratmeter.

Das hört sich ja zunächst einmal nach einer ziemlichen Hausnummer an. Aber unter einer ökologischer Ausgleichsmaßnahme ist nicht zu verstehen, dass der Verlust von Waldstücken an anderer Stelle eins zu eins ausgeglichen wird. Zwar wird es auch Neuanpflanzungen geben, in die Ökobilanz wird aber auch das Unterschutzstellen von bereits vorhandenen Bäumen miteinberechnet.

Naturschützer werten das als Teilerfolg. Aber den Betroffenen in Haldern, die jetzt mit Entsetzen den Kahlschlag vor ihrer Haustür verfolgen, nutzt das nur wenig. Sie müssen einen massiven Eingriff in eine Kulturlandschaft hinnehmen, die hunderte von Jahren alt ist. Und haben die Gewissheit, dass bei Projekten dieser Größenordnung Mensch und Natur meist den Kürzeren ziehen.

MARKUS BALSER

Quelle: RP
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