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Emmerich
Messerstecherei im Asylbewerberheim

Emmerich: Messerstecherei im Asylbewerberheim
Kein seltener Anblick: Polizei vor der Asylbewerberunterkunft an der Stadionstraße. FOTO: G. Schulmann
Emmerich. Nur knapp überlebte in Kleve ein 31-jähriger Russe den Angriff eines Georgiers. Beide waren zu Besuch in der Unterkunft an der Stadionstraße. Der geflüchtete Täter konnte in der Klever Oberstadt festgenommen werden. Von Peter Janssen

Die Szenerie an der Stadionstraße in Kleve ist nahezu wie jeden Tag. Anders ist lediglich, dass gleich mehrere Polizeiwagen vor dem Asylbewerberheim stehen. Ein Bereich der Unterkunft ist mit Flatterband abgesperrt. In der Nacht zu Mittwoch wurde hier ein Mensch mit mehreren Messerstichen lebensgefährlich verletzt.

Messerangriff in Klever Flüchtlingsheim FOTO: Guido Schulmann

Nur 15 Stunden nach der versuchten Tötung kann der Leitende Oberstaatsanwalt Hendrik Timmer vermelden, dass der Täter gefasst wurde. Ein 19-jähriger Georgier hatte Dienstag, gegen 23.15 Uhr, in der Unterkunft, einen 31-jährigen Russen niedergestochen, der in Kleve lebt. Mehrmals durchbohrte die Klinge den Brustkorb des Opfers. Dabei wurde auch die Lunge schwer verletzt. Nach der Erstversorgung im Klever Krankenhaus musste der Russe in die Nimwegener Radboud-Klinik transportiert werden. Der Mann schwebte in Lebensgefahr, doch besserte sich sein Zustand im Laufe des gestrigen Tages nach einer Operation.

Staatsanwalt Timmer erklärte, dass das Opfer den Status Asylbwerber habe. Der Russe lebt ebenso nicht in der Unterkunft an der Stadionstraße wie der 19-jährige Täter. Dieser halte sich illegal in Deutschland auf, sein Visum sei abgelaufen, so der Anklagevertreter. Die beiden Männer waren zur Stadionstraße gekommen, um in dem Haus einen Bekannten zu besuchen. Während des Aufenthalts sei es in dem Zimmer zum Streit, so Timmer. Zum Tatmotiv konnten gestern noch keine Angaben gemacht werden. "Der Täter war nach Zeugenhinweisen alkoholisiert", sagte der Staatsanwalt. Die Polizei wusste, wer der Mann mit dem Messer ist, da dieser bereits durch ein Raubdelikt aufgefallen war, und Zeugen ihn eindeutig identifiziert hatten.

Nach der Messerstecherei hatten zwei Bekannte das Opfer in ein Auto getragen und ihn ins Klever Krankenhaus gebracht. Der Täter konnte zunächst von Bewohnern der Unterkunft überwältigt werden. Doch gelang es ihm zu entkommen. Alle an dem Vorfall beteiligten Personen würden aus Russland und ehemaligen Sowjetrepubliken stammen, so Polizeisprecher Michael Ermers.

Mitarbeiter der Umweltbetriebe der Stadt Kleve holten gestern vor dem Haus stehende Abfallcontainer ab. In denen wurde nach der Tatwaffe des Flüchtigen gesucht. Während die Waffe nicht gefunden wurde, spürten Polizeibeamte jedoch den Georgier auf. Der Messerstecher war zu Fuß in der Klever Oberstadt unterwegs und ließ sich ohne Widerstand zu leisten abführen. Voraussichtlich wird er morgen dem Haftrichter vorgeführt.

Das Asylbewerberheim, das auf dem Gelände des ehemaligen Klever Schlachthofs gebaut wurde, stand erst vor drei Monaten im Mittelpunkt. Ein Bewohner hatte dort einen Brand verursacht, der einen Schaden von mehr als 50.000 Euro angerichtet hatte. 120 Menschen sind in dem Bau untergebracht. Die Situation in dem Heim ist extrem problematisch. Darauf hat die Klever Politik hingewiesen.

So leben nur junge Männer aus vielen verschiedenen Herkunftsländern in der Unterbringung. Die Asylbewerber kommen unter anderem aus dem Irak, Syrien, Albanien, Bosnien, Ghana, Libanon, Georgien, Sri Lanka, Nigeria, Usbekistan.

Als problematisch wird von den Asylbewerbern auch die Zahl der in einem Zimmer untergebrachten Männer beschrieben. So seien etwa acht Prsonen mit unterschiedlichen Nationalität in einem Raum untergebracht. "Hier kommt es immer zu Ärger. Der eine trinkt, der andere nimmt Drogen, oder es gibt Streit wegen der Religion", sagt ein Syrer. Mit zwölf Personen Männern müsse man sich eine Toilette teilen. Drogen und Alkohol würden auch für eine aggressive Stimmung sorgen. So soll auch in dem Raum, in dem die Messerstecherei stattfand, regelmäßig Marihuana konsumiert worden sein, so ein Flüchtling.

Quelle: RP
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