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Rees
Missbrauchs-Prozess: Gutachten soll Klarheit bringen

Rees. Fünf Vorleseminuten von Verteidiger Udo Vetter aus Bergheim reichten aus, um die zweite Verhandlungsrunde vor dem Landgericht in der Klever Schwanenburg in einen unerwartet zügigen Abbruch zu lenken.

Ein 68 Jahre alter Reeser soll zwei seiner Enkelinnen im Jahr 2013 mehrmals unsittlich berührt haben. Der Anwalt forderte nun, wie schon am ersten Verhandlungstag vor einer Woche angekündigt, das Gutachten eines Sachverständigen ein. Der soll herausfinden, ob die polizeilichen Darstellungen der beiden Mädchen, die damals im Alter von neun und 13 Jahren waren, glaubwürdig sind.

Nach einer Beratung stimmte die Jugendstrafkammer unter dem Vorsitzenden Richter Christian Henckel dem Beweisantrag zu und verwarf damit den angesetzten dritten Gerichtstermin. "Abweichend von der früheren Einschätzung halten wir es doch für sinnvoll, ein Gutachten einzuholen. Um so auch den Fall besser einschätzen können. Damit sehen wir uns frühestens in drei Wochen wieder", erklärte Richter Henckel. Die Staatsanwältin hatte zuvor die Rückschlüsse des Verteidigers aus den Aussagen der Polizei-Vernehmung als "Interpretation" bezeichnet. Ihr Wunsch wurde nicht mehr in die Tat umgesetzt, die wartenden Enkelinnen nebst der Mutter trotzdem vom Gericht befragen zu lassen, um so einen gewissen Eindruck zu gewinnen.

Verteidiger Vetter begründete seinen Beweisantrag so: "Es gibt klare Anhaltspunkte dafür, dass eines der Mädchen von ihrer Mutter beeinflusst worden ist bei der Aussage gegenüber einer Polizeibeamtin. Das könnte daran liegen, dass die Mutter dem Angeklagten gegenüber Rachegelüste hegt."

Die könnten darin begründet sein, dass der Angeklagte seine Tochter, in diesem Falle die Mutter der Enkelin, in deren Kindheit körperlich misshandelt haben könnte. Vetter führte weiter aus, dass die Polizeibeamtin bei der Vernehmung der beiden Enkelinnen des Reeser Angeklagten das Gespräch beeinflusst haben könnte. "Sie hat die Mädchen nach Art eines Fernsehkrimis zu deutlichen Aussagen motiviert und auch die möglichen Handlungen meines Mandaten nachgestellt." Dazu soll die Mutter ihre Tochter als empfindliches Problemkind beschrieben haben. "In einer Aussage heißt es da, die Tochter wollte sich noch nicht einmal einen Haarzopf binden lassen", so Verteidiger Vetter.

(miry)