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Emmerich
Möllenbölt im Nebel und ohne Wind

Emmerich. Beim Neujahrsdrehen sollten gestern die Flügel der Eltener Mühle in Gang gesetzt werden. Wetter spielte nicht mit. Von Monika Hartjes

Traditionell wird bei alten Windmühlen der erste Wind des Jahres genutzt, um die Mühle zu drehen. So auch bei der Mühle am Möllenbölt, die am 1. Januar zum Neujahrsdrehen einlud. "Und es wird auch ein bisschen orakelt und geschnuppert, was das neue Jahr bringt", sagte Diplom-Müller Frank Heeren, der sich mit drei Auszubildenden um die 1846 gebaute Gerritzen-Mühle kümmert. "Dem nebligen Wetter nach wird das neue Jahr sehr undurchsichtig", schmunzelte er.

Zahlreiche Besucher nutzten ihren Neujahrspaziergang zu einem Besuch an der Mühle. Obwohl die Segel an den Flügeln gesetzt waren, drehten diese nicht - es fehlte der Wind. So brachte der Müller mit eigener Kraft die Mühlenflügel, die mit den von Grundschulkindern gestalteten Wimpeln geschmückt waren, in Bewegung, aber nur mit kurzem Erfolg. "Wenn das Wetter windig war, dann musste der Müller an sieben Tagen in der Woche arbeiten. An so einem windstillen Tag hatte er dagegen frei", erklärte Müller-Azubi Wolfgang Willmer, der mit seinen Kollegen Jürgen Jellonek und Peter Runge den Chef-Müller unterstützte. Wer von den Besuchern eine Führung wünschte, der durfte die Leitern hochklettern, sich alles ansehen und die Müller erzählten über Funktionsweise und Geschichte der Mühle am Möllenbölt.

Die Besucher erfuhren auch, dass sich Brautpaare in der historischen Mühle ab Mai das Ja-Wort geben können. Dazu wird der Eingangsbereich hergerichtet. Die Mahlanlage steht im Hintergrund. Die Seitenwände werden freigeräumt, die elektrische Anlage verkleidet und statt der Neonlampen werden andere Lampen aufgehängt. "Ansonsten wird nichts geändert, denn der Charakter der Mühle soll so erhalten bleiben", erklärte Heeren. Wer auf dem unebenen und von Fuhrwerken ausgefahrenen Steinboden mit seinen hochhackigen Schuhen nicht laufen könne, dem könne man vielleicht ein paar Klumpen zur Verfügung stellen, schmunzelte er.

Wie sehr sich die Eltener über das Angebot freuen, zeigt sich darin, dass bereits zwei Termine gebucht wurden, wie Touristik-Chefin Dr. Manon Loock-Braun berichtete. "Die Eltener loben das Angebot in Gesprächen und auf Facebook, sich das Ja-Wort in so einem rustikalen Ambiente geben zu können", sagte sie.

Während die Kinder an der Mühle Fangen spielten, genossen die Eltern in dem beheizten Zelt vor dem Bistro das Neujahrs-Bierchen oder Kaffee und warmen Kakao mit selbst gebackenen Apfelkuchen. "Zum Aufwärmen bieten wir auch eine kräftige Erbsensuppe an", sagte Gudrun van Rijn, die gemeinsam mit Ehemann Willy das Mühlen-Bistro betreibt. Das hat jeden Freitag von 13 bis 17 Uhr, samstags und sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Und ist auch für geschlossene Gesellschaften buchbar.

So haben die Eltener die Möglichkeit, neben den Mühlenbesuchen sich nicht nur das Ja-Wort in ihrem Heimatort zu geben, sondern auch noch im Schatten der Mühle zu feiern.

Quelle: RP
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