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Rees
Momente voller Emotionen

Rees: Momente voller Emotionen
Ein Junge nimmt Abschied, ein anderer springt verkleidet übermütig in die Luft. FOTO: Daniela Schlutz
Rees. "Auf der Durchreise" heißt die Ausstellung, die am Sonntag im Bürgerhaus eröffnet wird. Gezeigt werden 40 Bilder von Daniela Schlutz, die in Rees Momentaufnahmen von Flüchtlingen fotografisch festgehalten hat. Von Markus Balser

Wahrscheinlich ist noch nie so viel fotografiert worden wie im digitalen Zeitalter. Das stets griffbereite Smartphone hat den Reiz, einfach mal drauf zu halten, noch verstärkt. In der Ära der "Selfies" und der dahin geknipsten MMS-Botschaften ist das Foto zur Massenware, zum Wegwerfprodukt geworden. Schnelle Bildbearbeitungsprogramme lassen Aufnahmen, die früher gleich im Mülleimer gelandet wären, noch wie perfekte Bildkompositionen aussehen.

Gute Fotografen erkennt man hingegen an ihrem Auge für die Situation. Und das hat Daniela Schlutz in ihrer Ausstellung "Auf der Durchreise" gleich mehrfach unter Beweis gestellt.

Die 42-jährige freie Fotografin und Journalistin aus Haldern, die mittlerweile in Empel lebt, arbeitet seit März vergangenen Jahres in der Flüchtlingsbetreuung in Rees am Groiner Kirchweg. Zunächst nur in der Kinderbetreuung, jetzt auch als Freizeitpädagogin. Bei der Kommunikation mit den Flüchtlingen hat ihr die Fotokamera oft geholfen, wie sie erzählt.

Während ihrer Arbeit in der Zentralen Unterbringungseinrichtung hat sie zahllose Aufnahmen gemacht. Die meisten davon als Erinnerung für die Menschen, die Rees nach nur wenigen Wochen schon wieder verlassen, um auf andere Kommunen verteilt zu werden.

40 der Fotografien, die dabei entstanden sind, werden ab Sonntag im VHS-Bereich des Rathauses der Stadt Rees zu sehen sein. Es handelt sich dabei um Aufnahmen, die in Spielsituationen, bei Ausflügen, Festen und besonderen Aktionen sowie bei der Verabschiedung der Flüchtlinge entstanden sind.

So wie vielleicht eines der eindrucksvollsten Bilder der Ausstellung, das einen Jungen hinter der Fensterscheibe eines Busses zeigt. Eine Abschiedsszene, bei der erkennbar wird, dass sich hinter dem Begriff "Flüchtlinge" zu allererst Menschen mit all ihren Emotionen verbergen. Auch deshalb sind die Bilder manchmal traurig, aber auch lustig. Wie bei einem anderen Bild: Dem Jungen, der sich in ein Kleid geworfen hat und übermütig in die Luft springt, sieht man seine Lebensfreude an.

Dabei ist nichts inszeniert. "Das wäre nicht meine Art zu fotografieren", sagt Daniela Schlutz. Ihre Aufnahmen sind situationsbedingt entstanden. Im richtigen Moment hat sie auf den Auslöser gedrückt. Nicht alle ihre Bilder dürfen übrigens veröffentlicht werden. Die Zustimmung der abgelichteten Personen ist dafür Voraussetzung. "Und das respektiere ich auch", sagt die Fotografin.

Mit Musik und eigenen Worten wird sie am Sonntag selbst in die Ausstellung einführen. Aufgrund der Aktualität des Themas dürfte sie von vielen Gästen besucht werden. Bis zum 2. September werden die Bilder von Daniela Schlutz im Rathaus der Stadt Rees zu sehen sein. Das Thema "Flüchtlinge" wird wohl die Stadt hingegen noch weit über dieses Datum hinaus beschäftigen.

Die stellvertretende Bürgermeisterin Mariehilde Henning eröffnet die Ausstellung am Sonntag um 11.30 Uhr.

Quelle: RP
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