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Hüthumer Geschichten (Teil 5)
Mutter Ännes Mitleid mit den Hühnern

Hüthumer Geschichten (Teil 5): Mutter Ännes Mitleid mit den Hühnern
Das Gut mit dem Schlösschen aus dem Jahre 1680 wurde um 1900 als Pachthof von der Familie Hermann Reyers bewirtschaftet. 1907 übernahm ihn die Familie Braam. FOTO: Privat
Emmerich. Die Geschichte der Gastronomie auf dem Gut Borghees. 1967 entstand das Gasthaus "Waldschlösschen". Von Norbert Loose und Monika Hartjes

Der Weg zum Schlösschen Borghees führt von Hüthum aus vorbei an den Gütern Ingenhof, Loohof und der Molkerei in den Borgheeser Weg. Dort wandert man über einen von mächtigen Eichen gesäumten Fahrweg zum Gut Borghees, welches durch die Geschichte vom "Schönen Käthchen" weithin berühmt war und sich noch im Eigentum der Rickers-Erben, Familie Baron Busch von Rosendaal befand. Das Gut mit dem Schlösschen aus dem Jahre 1680 wurde um 1900 als Pachthof von der Familie Hermann Reyers bewirtschaftet.

1907 übernahm die Familie Braam den Betrieb und führte die Wirtschaft weiter. Neben einer bedeutenden Landwirtschaft wurde im Schlösschen auch eine Gastwirtschaft betrieben. Dazu gehörte eine große Gartenwirtschaft, die mit Tischen und Bänken fast das ganze Haus umgab. Selbstgebackenes und Fleisch und Wurst aus eigener Schlachtung sorgten für deftige Brotzeiten. An schönen Sonn- und Feiertagen wanderten viele Ausflügler nach Borghees, um dort einige Stunden zu verweilen.

Hin und wieder gab es sogar Tanzmusik. Familie Braam führte den Betrieb durch die Wirren der beiden Weltkriege weiter bis ins Jahr 1957. Das Gut wurde inzwischen zum Kauf angeboten und die Braams erwarben das Schlösschen mit einem großen Teil der Ländereien. 1963 kaufte der damalige Kreis Rees das Haus und es erfolgte eine langjährige Renovierung. Familie Braam erbaute 1967 das neue Gasthaus "Waldschlösschen". Alle waren glücklich im neuen Heim - bis auf die Hühner.

Als das Schlösschen nach erfolgter Renovierung endlich in neuem Glanz erstrahlte, war es ein Problem, das Federvieh umzuerziehen, was aber letztlich nie gelang, da es unverändert, sehr zum Ärger des Herrn Oberkreisdirektors, jede offene Stelle - ob Türen oder Fenster - nutzte, um des Abends im großen Saal des Hauses seine ehemaligen Schlafplätze wieder einzunehmen. Erst der Kochtopf bereitete diesem Unwesen ein Ende. Doch ließ sich "Mutter Änne" trotz der drohenden Gefahr, bei der "Obrigkeit" in Ungnade zu fallen, bei dieser Lösung unendlich viel Zeit.

Die Gaststätte Waldschlösschen wird bis heute in alter Tradition weitergeführt. Heinz Heering, der das Gasthaus vor zwei Jahren übernahm, setzt auch die Tradition des "Tanzes in den Mai" weiter fort. Im "Schlösschen Borghees" ist das TIK aktiv, hier finden verschiedene Veranstaltungen, unter anderem der Lions-Weihnachtsmarkt statt. Der "Freundeskreis Euregionales Kulturhaus", der am 20.September gegründet wird, hat zum Ziel, das Schlösschen vor dem Verfall zu schützen und die Bausubstanz zu erhalten und zu sichern.

Quelle: RP
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