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Rees
Nach dem Wasser kommt der Schimmel

Rees: Nach dem Wasser kommt der Schimmel
Thomas Heweling zeigt den Schwarzschimmel, der sich mittlerweile gebildet hat. Der Luftentfeuchter (vorne) läuft seit Wochen rund um die Uhr. FOTO: mvo
Rees. Die Familie Heweling gehört zu den vielen Betroffenen, denen in Haffen durch den Starkregen im Juni die Keller mit Wasser vollliefen. Die Höhe des Schadens ist oft noch gar nicht abzusehen. Zweite Bürgerversammlung kommt. Von Markus Balser

Ein schönes Häuschen ist es, das die Familie Heweling am Kornblumenweg in Haffen ihr Eigen nennt. Vor 34 Jahren solide gebaut, liebevoll eingerichtet, ein hübscher Garten - alles picobello. Doch seit Anfang Juni ist alles anders. Da nämlich rollte eine Regenwalze über Haffen und Mehr und setzte zahlreiche Keller in den Dörfern unter Wasser, auch den von Familie Heweling.

Dass der Starkregen gleich über mehrere Tage einsetzte und dann gut drei Wochen später noch einmal wiederkam, war ein Ereignis, das man in diesem Ausmaß am Niederrhein bislang noch nicht kannte. Es hat die Betroffenen viel Nerven gekostet. Die finanziellen Auswirkungen sind für viele noch gar nicht absehbar.

"Mit dem Abpumpen des Wassers sind wir überhaupt nicht hinterhergekommen. Die Pumpen liefen ununterbrochen. Gerade als wir unseren Keller das erste Mal wasserfrei hatten, lief er schon wieder voll. Beim dritten Mal kam das Wasser sogar aus den Wänden. Das war noch eine Schüppe obendrauf", erzählt Thomas Heweling.

Innerhalb von fünf Wochen wurden über 60 Kubikmeter immer wieder nachlaufendes Wasser aus dem Keller gepumpt. Der ist seit einer Woche oberflächlich betrachtet wasserfrei, weil nun das Fließwasser weg ist. Das wurde nicht nur abgepumpt, sondern auch durch in den Boden gefräßte Schlitze abgeleitet. Aber im Fundament und den Wänden sitzt immer noch gut erkennbar die Nässe. Und das, obwohl der Luftentfeuchter seit Wochen ununterbrochen läuft.

Der Keller stand Wochen unter Wasser, das ständig abgepumpt wurde. Die Nässe in Wänden und Fundament blieb. FOTO: Famile Heweling

Jetzt bricht sich der Schimmel Bahn, der sich als schwarzer Film schon großflächig auf fast allen Wänden der Kellerräume zeigt. Um das zu beheben, müsste man eigentlich das Fundament freilegen, das aufgrund des immer noch hohen Grundwasserpegels im Wasser steht, und auch einige Wände ersetzen. Thomas Heweling schätzt, dass der Schaden am Haus bei gut 70.000 Euro liegen dürfte, "wenn man ihn selbst repariert". Alles andere wäre bedeutend teurer.

Was der Schimmel noch anrichtet, ob es vielleicht irgendwann einmal Setzrisse geben wird, kann er noch nicht absehen. Dabei weiß er: "Wir sind noch vergleichsweise gut davon gekommen. Bei anderen ist neben dem vorhandenen Wasserschaden auch noch die Heizungsanlage kaputt gegangen." Zwar gibt es für so etwas Versicherungen, doch die übernehmen solche Schäden oft nicht ein zweites Mal.

Dementsprechend groß ist auch die Furcht davor, was der nächste starke Regenguss anrichten könnte. Und der Ärger darüber, dass Stadt und Deichverband bislang noch nicht mit den Geschädigten gesprochen haben. Denn bei einer Bürgerversammlung, die vor kurzem - sechs Wochen nach dem ersten Starkregen - in Haffen stattfand, waren deren Vertreter der Veranstaltung fern geblieben (die RP berichtete). Begründung: eine Bürgerversammlung ergäbe erst dann Sinn, wenn auf die vielfältigen Fragen der Bewohner auch Antworten gegeben werden könnten.

Das empört nicht nur Familie Heweling, die sich mit ihren Sorgen alleine gelassen fühlt und wenigstens gerne einmal Gehör gefunden hätte. Sie hofft nun, dass das auf einer zweiten Versammlung, zu der Ortsvorsteherin Margret Derksen für den 25. August eingeladen hat, möglich sein wird.

Da erwarten die Hewelings dann allerdings auch ehrliche Antworten darauf, warum das Wasser in solchen Mengen in die Haffener Keller drückte. Und eine nachhaltig gute Lösung, die tatsächlich hilft, den hohen Grundwasserspiegel im Dorf zu senken.

Quelle: RP
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