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Kommentar
Nett sein reicht nicht!

Emmerich. Nähern sich die großen Parteien im Emmericher Rat wieder an? Wenn auch der jüngste Sozialausschuss in der Sache kaum eine Lösung brachte, so hat er doch zumindest gezeigt, dass CDU und SPD bereit sind, wieder aufeinander zuzugehen. Sie fanden einen Weg, in Sachen Flüchtlingsunterbringung in Emmerich einen Standard festzulegen, der in Zukunft verbindlich sein soll.

Immerhin.

Dabei hat die Politik allerdings das dringende Problem nicht gelöst, schnell eine neue Bleibe für die Menschen zu finden. Zu lange gab es Gezänk um den richtigen Weg und die richtige Immobilie. Das kann sich die Stadt nicht leisten. Weil Zeit vertan worden ist, wird es wohl an der Stadtverwaltung liegen, irgendwie an neue Wohnungen zu kommen.

Eine weitere Frage, die in Emmerich beantwortet werden muss, ergibt sich aus diesem Zwang: Wenn bis Jahresende die Zahl der Flüchtlinge in der Stadt auf bis zu 1000 gestiegen sein kann - wie kann die Stadt dann eingreifen, damit es nicht zu echten Engpässen auf dem Wohnungsmarkt für die Einheimischen kommt? Und zwar nicht nur durch den Zwang zur kurzfristigen Unterbringung. Bürgermeister peter Hinze schätzt, dass in den nächsten Monaten die Familien ungefähr 70 Prozent der Flüchtlinge ausmachen werden. Eltern mit Kindern, die aus Syrien geflohen sind, beispielsweise.

Sie werden in Deutschland bleiben dürfen, ihre Kinder werden hier zur Schule gehen, der Vater wird einen Job finden. Emmerich wird die neue Heimat werden, die Rückkehr nach Syrien in weite Ferne rücken, weil dieses Land noch in Jahren zerstört sein wird. Diese Familien brauchen bezahlbare Wohnungen, ebenso die einheimischen. Nichts wäre fataler, als würde ein Konkurrenzkampf auf dem Wohnungsmarkt ausbrechen: hier die Immigranten, dort die hier Geborenen.

Weil sich die Anerkennungsverfahren für Flüchtlinge beschleunigen werden, stellt sich dieses Problem in Emmerich schon sehr bald. Es gibt darauf nur eine Antwort: Irgendjemand in der Stadt muss den Bau neuer Wohnungen in die Hand nehmen. BGE-Chef Gerd Bartels hat vor kurzem erklärt, dass Emmerich mindestens 100 neue Wohnungen braucht. Wer baut sie?

Wenn sich kein privater Investor für sozialen Wohnungsbau findet, dann muss wohl eine bewährte Instanz in der Stadt ran: Denn eigentlich ist so etwas ein Fall für die Emmericher Baugenossenschaft! Es wird höchste Zeit, dass sich Rat und Verwaltung an dieses Projekt begeben.

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Quelle: RP
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