| 00.00 Uhr

Emmerich
Neue Stadtführung über eine Hexe

Emmerich: Neue Stadtführung über eine Hexe
Birgit Bremer führt als Uhlandt Dammertz durch Emmerich. Angeklagt wurde die junge Frau im Jahr 1516. FOTO: Markus van Offern
Emmerich. Das Schicksal von Uhlandt Dammertz aus Emmerich ist die Grundlage für eine besondere Tour. Stadtführerin Birgit Bremer hat sie ausgearbeitet. Es geht um eine junge Frau, von der man glaubte, sie habe Nonnen verhext. Von Monika Hartjes

Es gab sie wirklich, eine Hexe in Emmerich: Uhlandt Dammertz lebte im 16. Jahrhundert in der Rheinstadt. Zwanzigjährig wurde sie als Hexe bezichtigt und in den Hexenturm in Dinslaken gesperrt. Wer mehr über die Geschichte der

Emmericher Hexe erfahren möchte, der sollte am 30. April - der Tag ist ja auch als Hexenabend oder Walpurgisnacht bekannt - an der Führung "Besenritt und Hexentanz - alles Firlefanz?" teilnehmen.

"Birgit Bremer, die seit Januar 2015 zu unserem Stadtführer-Team gehört, hat die Führung ausgearbeitet und wird als Hexe Ullandt Dammertz die Gäste durch die Stadt führen und von ihrem Leben erzählen", freut sich Touristikchefin Manon Loock-Braun über die Premiere.

Mittlerweile gibt es über 30 Kostüm- und Themenführungen in Emmerich, Gästeführungen als Klompengang, mit dem Hansekaufmann Johann Berck, dem schönen Käthchen oder dem Nachtwächter und viele andere sind sehr beliebt. "Alle Figuren sind historisch belegt, wir erzählen keine "Geschichtchen", sondern Emmericher Geschichte. Wir suchen auch immer nach neuen Themen und die Hexe war ein Wunsch von mir", so Loock-Braun.

Birgit Bremer, die aus Köln kommt und seit 25 Jahren am Niederrhein lebt, hat sich rund ein Dreivierteljahr intensiv mit der Hexe beschäftigt. Die 52-jährige gelernte Einzelhandelskauffrau war immer an Geschichte interessiert. "Schon als Kind lief ich in unseren Familienurlauben den Reiseführern hinterher und dachte, das willst du auch mal machen." Vor rund vier Jahren, als ihre vier Kinder erwachsen waren, erfüllte sie sich den Traum, besuchte Fortbildungen und wurde in ihrer Heimatstadt Kalkar Gästeführerin.

Seit über einem Jahr ist sie auch in Emmerich tätig, macht Führungen in Elten, in Kirchen und begleitete den Kinder-Klompengang. "Aber eine eigene Führung auszuarbeiten, das ist etwas Besonderes." Das Buchmaterial bekam sie von der erfahrenen Gästeführerin Monika Wirtz, die auch den Entwurf für das Kostüm - angelehnt an historischen Bildern - machte. Beate Lechtleitner nähte es dann.

"1496 wurde Uhlandt Dammertz als Mitglied einer angesehenen Familie in Emmerich geboren, 1516 wurde sie angeklagt", erzählt Birgit Bremer. Das Mädchen liebte einen jungen Mann, mit dem der Vater nicht einverstanden war. Sie wurde vor Liebeskummer krank, ging ins Birgitten-Kloster in Marienbaum. Um den Mitschwestern etwas Gutes zu tun, buk sie einen Kuchen. "Doch danach benahmen sich alle Nonnen sehr komisch, so dass die Klosterleitung meinte, sie habe die Mitschwestern verhext", erzählt Bremer. "Sie wollte zurück zu ihrer Familie in Emmerich, doch der schlechte Ruf eilte ihr voraus. Die Bürger hatten Angst und ließen sie einsperren."

Die Führung geht durch die Stadt, am Krantor, Alter Markt, Rathaus und Martini-Kirche vorbei, alles Orte, die mit der "Hexe" und ihrer Familie zu tun hatten.

Ob sie aus dem Hexenturm in Dinslaken befreit wurde, eventuell auf Fürsprache ihres Bruders Bertram, der Bürgermeister in Emmerich war, ist übrigens nicht genau belegt.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Emmerich: Neue Stadtführung über eine Hexe


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.