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Himmel Und Erde
Nicht nachlassen im Ringen um Frieden und Wahrheit

Emmerich. Darüber gab es keine Schlagzeile auf der ersten Seite. Und auch in den Nachrichtensendungen wurde über diesen ungewöhnlichen Vorgang erst im weiteren Verlauf berichtet. Dabei hätte die Welt in diesen bösen Zeiten eine wirklich gute Nachricht besonders nötig. Vor wenigen Tagen wurde der Friedensvertrag von Kolumbien unterzeichnet. Nach über 52 Jahren Krieg und erbitterter Feindschaft im eigenen Land haben der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos und Rodrigo "Timochenko" Londoño, der die berüchtigte paramilitärische Rebellenorganisation Farc mit gut 8000 Kämpfern geführt hat, mit ihren Unterschriften unter den Friedensvertrag den ältesten Konflikt Lateinamerikas beigelegt. Die Welt hat einen Krieg weniger - in einer Zeit von Terror-Anschlägen, Bomben-Massakern in Syrien und zahlreichen weiteren Konfliktherden macht diese Nachricht Hoffnung.

In dem ein halbes Jahrhundert dauernden Bürgerkrieg mit 220.000 Toten und sieben Millionen Vertriebenen in Kolumbien beginnt nun ein neues Kapitel. Präsident Santos, "Timochenko", UN-Generalsekretär Ban Ki-moon, Staats- und Regierungschefs aus Lateinamerika, unter anderem Kubas Staatschef Raúl Castro (in dessen Land die jahrelangen Friedensverhandlungen stattfanden), US-Außenminister John Kerry, der Vatikan-Diplomat Pietro Parolin, Spaniens früherer König Juan Carlos - alle sind ganz in Weiß gekleidet, der Farbe des Friedens, als der historische Vertrag unterzeichnet wird. Verbrecherische Drogenkartelle, Korruption, Geiselnahmen, Terroranschläge und Auftragsmorde haben über Jahrzehnte eine blutige Spur des Schreckens durch Kolumbien gezogen. Doch die Sehnsucht der Bevölkerung nach Frieden war stärker als alle Erfahrungen von Gewalt und Angst in diesen Jahren. Der Druck von innen und außen auf Regierung und Rebellen hat schließlich eine Spirale des Friedens und der Versöhnung in Gang gesetzt, die noch vor wenigen Jahren unvorstellbar erschien. Kolumbien - ein Land vor dem endgültigen Zerfall.

So, wie wir es in diesen Tagen in Syrien, im Irak, in Afghanistan erleben. Ist das ein Wunder, was jetzt geschehen ist? Als 1989 die Mauer in Berlin fiel und in den Jahren danach das Apartheidsregime in Südafrika zusammenbrach, erschien das vielen Menschen wie ein Wunder. Böses, das für die Ewigkeit zementiert schien, verschwand von der Bühne der Weltöffentlichkeit. Als Christen vertrauen wir darauf, dass Gott unsere Welt nicht sich selbst überlässt. Er greift ein, um zu retten und zu versöhnen. Die Bilder dieser Tage aus Aleppo sind kaum zu ertragen. Und sie werden dennoch nicht das letzte Wort haben. Nicht nachlassen im Ringen um Frieden und Wahrheit. Das ist unser Auftrag. Damit eines Tages Kinder wieder lachen werden in Aleppo.

THOMAS BRÖDENFELD

Quelle: RP
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