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Rees
Niederländer und Deutsche gedenken der Zwangsarbeiter

Rees. Mit einem Gedenkmarsch von Rees nach Megchelen gedachten gestern mehrere hundert Teilnehmer der niederländischen Zwangsarbeiter, die im Kriegswinter 1944/45 für Schanzarbeiten in Rees herangezogen wurden. In den Lagern in Groin und Bienen starb jeder Zehnte der mehr als 3000 Männer an Kälte, Hunger und Erschöpfung. "In Zeiten, in denen rechtspopulistische und im Kern fremdenfeindliche Parteien an Zuspruch gewinnen, ist es umso wichtiger, in Erinnerung zu rufen, welche Schrecken sich in Deutschland und auch in Rees ereignet haben", sagte Bürgermeister Christoph Gerwers.

Er appellierte insbesondere an die junge Generation, demokratische Werte zu verteidigen. "Wir machen uns erneut schuldig, wenn wir unsere Stimme nicht gegen die aktuelle Fremdenfeindlichkeit erheben", betonte auch Pfarrer Norbert Stephan. Gemeinsam mit Pfarrer Michael Eiden bat er um Vergebung für die Verbrechen, die in einer "Gott und Menschen verachtenden Zeit" auf Reeser Boden an niederländischen Zwangsarbeitern begangen wurden. Einer von ihnen, Jan de Louter, dankte den Reeser Gastgebern für vorbildliche Aufbereitung ihrer Stadtgeschichte: "Es ist unglaublich, was hier passiert." Gerwers verwies darauf, dass die überlebenden Zwangsarbeiter das heutige Rees nicht mehr als "Ort des Verbrechens" betrachten, sondern als "Ort der Begegnung und Freundschaft".

Mehr als 50 Niederländer waren schon am Vormittag die Strecke von Megchelen nach Rees gewandert. An der Gedenktafel am Melatenweg erlebten sie eine würdevolle Veranstaltung. Auch 90 Schüler des Gymnasiums Aspel schlossen sich dem Marsch über 8,5 oder elf Kilometer ins Nachbarland an. In Megchelen legten die Gemeinden, Verbände und Vereine Kränze und Gestecke nieder, wie zuvor schon am Melatenweg in Rees.

Kulturamtsleiter Ludger Beltermann wies auf zwei neue Rundwege hin. Weil die Hetterbrücke inzwischen ganzjährig geöffnet ist, wurden zwei Routen nun durchgehend beschildert. Sie sind 21 bzw. 53 Kilometer lang, mit dem Slogan "Auf dem Weg zur Freiheit" betitelt und zeigen das Symbol zweier sich begrüßender Hände, die zu einer Herzform verschmelzen.

(ms)
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