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Rees
Oldtimer lassen Herzen höher schlagen

Rees. Die sechste Haffener Deichshow verzeichnete eine Rekordbeteiligung. Hingucker waren ausrangierte Raketen.

Der Sonnenschein und vor allem das Interesse für historische Gefährte jeglicher Art lockten gestern zahlreiche Besucher auf den Hof von Markus Heynen in Haffen. Das Knattern der Motoren alter Trecker, der Klang alter Vehikel und das Aufjaulen zahlreicher Motorräder zogen Neugierige an. Zum Beispiel Gerhard Terweide aus Bienen, der zum Fachsimpeln mit Gleichgesinnten nach Haffen gekommen war. "Die 50 Kubik ist mein Hobby", gestand der 50-Jährige, dass er auch für Oldtimer schwärmt: "Tausche Haus gegen Oldtimer - ich hab' ein denkmalgeschütztes Haus, das sich ernsthaft gegen ein Fahrzeug tauschen will. Es gibt sogar schon Angebote."

Ein paar Meter weiter hockte die Milllingerin Bianca Wittstock zum Fotografieren vor einem schneeweißen Mercedes-Cabrio. "Mir geht gerade das Herz auf. Ein solches Fahrzeug stand einst auf unserem Hof. Darin haben wir dann ,Weite Reise hinter dem Steuer' gespielt", erinnerte sie sich gerne an ihre Kindheit vor mehr als 30 Jahren. Für die 40-Jährige war der Ausflug nach Haffen ein Volltreffer.

Ein voller Erfolg war aus Markus Heynens Sicht der ganze Tag. "Vor sechs Jahren haben wir mit zehn Treckern hier gestanden. Durch Mund-zu-Mund-Propaganda hat das alles ein irres Ausmaß erreicht." Tatsächlich knubbelte es sich angesichts von rund 300 Autos, Mofas, Mopeds, Treckern und Maschinen auf dem Hof ganz schön. "Das war teilweise grenzwertig, da müssen wir uns was überlegen", sagte er. Er lobte die Location, die so malerisch in die Landschaft eingebettet ist und sich mittlerweile zu einem echten Kulturtreff der Motorverrückten entwickelt habe.

Auf seiner 1962er Victoria Aventia mit Pythonsitz und "Blechbananen"-Look sorgte der Isselburger Erwin Spieckers für viele neugierige Blicke. "Vor Hässlichkeit ist sie schön", sagte der 67-Jährige und lachte selbst über sein fahrbares Unikat. Ebenfalls mit von der Partie war der Dinslakener Hans Wesser. Für ihn und seinen 1970er-Porsche war es eine Premiere in Haffen. "Das hier hat Atmosphäre. Wir sind selber Schrauber. Und viele von uns waren hier. Da war das Klüngeln hier eine echte Freude."

Zu den interessierten Besuchern des Tages gehörte auch die Hünxerin Gabi Bleckmann und ihr Mann Herbert. Die beiden staunten unter anderem über den von Markus Heynen umgebauten Magirus Mercur-Wohnwagen, Baujahr 1964. "Dieser Kachelofen, dieses Fellbett da oben und das Holz an der Tür - der gehört mit dem Inventar nach Alaska", meinte das Ehepaar.

Unter anderem die Deutz- und Hela-Diesel-Trekker zogen die Aufmerksamkeit der Sonsbecker Alexandra und Thomas May auf sich: "Wir haben am Freitag in Rees geheiratet und sind selbst mit einem alten Hanomag auf kultureller Hochzeitsreise" sagte der 56-jährige Bräutigam. Das Event in Haffen hatte das Paar zufällig entdeckt.

Besonders groß war das Interesse an zehn großen Lkw und ausgemusterten Hawk-Luftabwehrraketen, die sich in Eigentum einer Bundeswehr-Reservistentruppe befinden. "Das Material lagert in der Weseler Schill-Kaserne. Wir schrauben hier in Haffen und wollten mal zeigen, was wir hier in der Nachbarschaft so machen", erläuterte Ralf Krieger. Die Luftabwehrraketen, so weiß er zu berichten, seien entlang der deutsch-deutschen Grenze stationiert gewesen und "zum Glück nie zum Einsatz gekommen".

(aflo)
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