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Emmerich
"Orte der Erinnerung in Europa" verbinden Jugend

Emmerich: "Orte der Erinnerung in Europa" verbinden Jugend
In Köln kamen Jugendliche des Emmericher Theodor-Brauer-Haus und der Akademie Klausenhof Hamminkeln-Dingden mit griechischen Gästen zusammen. FOTO: LVR
Emmerich. LVR organisiert Begegnungen für junge Leute, die sich in schwierigen Lebenslagen befinden. Emmericher waren dabei.

Der Ort Ano Viannos auf der griechischen Insel Kreta ist einer von sechs europäischen Projektpartnern des Programms "Jugend gestaltet Zukunft - Internationale Jugendbegegnungen an Orten der Erinnerung in Europa". Seit 2010 organisiert das LVR-Landesjugendamt Rheinland die Fahrten nach Griechenland. Nun sind zehn griechische Schülerinnen und Schüler zum Gegenbesuch nach Köln gekommen. Ziel des Programms: Bildungsbenachteiligte Jugendliche sollen mit anderen jungen Menschen aus europäischen Ländern in Kontakt kommen und Erinnerungsorte bewahren, an denen in der NS-Zeit Verbrechen begangen wurden. Während ihres Aufenthaltes arbeiten die Jugendlichen ganz konkret daran mit, dass die Verbrechen des Dritten Reiches nicht in Vergessenheit geraten.

Wie dies aussehen kann, haben zehn Jugendliche gezeigt, die vom Emmericher Theodor-Brauer-Haus und der Akademie Klausenhof in Hamminkeln betreut werden. Während ihres zweiwöchigen Aufenthalts auf Kreta haben sie im April und Mai vergangenen Jahres Wanderwege freigeschnitten, erweitert und alte Mauerbegrenzungen wieder sichtbar gemacht. Den ehemaligen Treffpunkt und Aussichtspunkt des Dorfes am Wasserfall Gabrielle, der durch einen Erdrutsch völlig zugeschüttet und danach zugewachsen war, hat die Gruppe wieder freigelegt. In Zukunft soll dort ein altes Café zu neuem Leben erweckt werden.

Ano Viannos ist nicht ohne Grund einer der sechs Erinnerungsorte, an die Jugendliche im Rahmen des Programms des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) reisen. Am 14. September 1943 wurden von der deutschen Wehrmacht bei einer Vergeltungsaktion gegen den kretischen Widerstand 358 Männer, Frauen und Kinder aus dem Ort hingerichtet und mehrere der umliegenden Dörfer niedergebrannt. Im Ortsteil Amiras erinnert etwas außerhalb des Dorfes ein Mahnmal mit Kapelle und Gedenktafeln an dieses Massaker.

LVR-Jugenddezernent Lorenz Bahr würdigte das Engagement der Jugendlichen: "Ich finde es großartig, wie die Jugendlichen aus Emmerich sich auf Kreta eingesetzt haben. Gerade in Zeiten, in denen Menschen wieder aufgrund ihrer Herkunft diskriminiert oder im Internet bedroht und beleidigt werden, ist es wichtig, rassistischen Tendenzen vorzubeugen. Ich bin davon überzeugt, dass unser Programm dabei helfen kann, denn was hilft besser gegen Vorurteile, als Begegnung und Austausch?"

Der LVR organisiert im Rahmen des Programms "Jugend gestaltet Zukunft" Jugendbegegnungen für junge Menschen, die sich in schwierigen Lebenslagen befinden, die Schule abgebrochen haben und nach Orientierung suchen. Die Camps finden in Maillé (Frankreich), Baranivka (Ukraine), Sant' Anna di Stazzema (Italien), Majdanek (Polen), Vinkt (Belgien) sowie in Ano Viannos statt.

Finanziert wird der internationale Jugendaustausch aus Mitteln des Landschaftsverbandes und des Landes. Seit 2013 steht er unter der Schirmherrschaft des Europäischen Parlaments.

Quelle: RP
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