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Emmerich
Plakate - eine aussterbende Gattung?

Emmerich. Der Schweizer Gestalter Niklaus Troxler führte jetzt durch seine Ausstellung im PAN. Mit dabei die beiden Künstlerkollegen Uwe Loesch und Erhard Grüttner. Die Zukunft des Plakates wurde kritisch betrachtet. Von Markus Balser

Dass das Kommunikationsmittel Plakat nicht nur Werbeinstrument, sondern gleichzeitig auch große Kunst sein kann, hat Niklaus Troxler vielfach bewiesen. Werke von ihm, bei denen es sich meist um Ankündigungen für Jazz-Konzerte und -Festivals geht, hängen in zahlreichen bedeutenden Museen auf der ganzen Welt.

Am Mittwoch führte der Schweizer Grafiker interessierte Gäste durch seine aktuelle Ausstellung im PAN "Jazz'n'more". Die hier zu sehenden, in den letzten rund 40 Jahren entstandenen 70 Plakate sind, jedes für sich genommen, eine Augenweide. Und als Ganzes betrachtet die interessante Geschichte eines Künstlers, der mit vielen stilistischen Mitteln arbeitet und sich in keine Schublade stecken lassen will. Professor Uwe Loesch, der mit Künstlerkollegen Erhard Grüttner ebenfalls zu Gast war, formulierte es so: "Er hat keinen eigenen Stil, und dennoch erkennt man einen ,Troxler' sofort - an der anhaltend hohen Qualität."

Dass die Plakate Troxlers so unterschiedlich ausfallen, hat damit zu tun, dass er stilistisch und typografisch auf das eingeht, was sein jeweiliges Thema ist. In seinem Falle ein bestimmter Künstler oder die von ihm selbst organisierten Jazz-Festivals im schweizerischen Willisau, die ebenfalls internationales Renomé genießen. Für den Künstler ein Glücksfall, dass er sich gleichermaßen intensiv wie erfolgreich seiner Leidenschaft widmen konnte. Ein Umstand, den auch Uwe Loesch hervorhebt: "Gebildet ist, wer sich den Gegenstand seines Interesses selbst erschafft - und das hat er gemacht."

Die jetzt in Emmerich zusammengekommenen Troxler, Grüttner und Loesch sind drei Plakatkünstler, die in der internationalen Kunstszene Rang und Namen haben. Die Zukunft dieser Ausdrucksform, der sie sich mit Vorliebe bedienen, sehen sie allerdings kritisch: "Es wird immer schwieriger für Plakatkünstler, Aufträge zu bekommen", sagt der aus Berlin stammende Grüttner. Grund dafür sei vor allem der Sparzwang bei Theatern und Museen. Und wenn sich diese kulturellen Einrichtungen dennoch auf Plakatkunst einließen, ginge es immer weniger um Inhalte, sondern eher um bekannte Namen und Köpfe.

Troxler differenziert zwar, die Situation sei von Land zu Land und Stadt zu Stadt verschieden, sieht aber insgesamt die Kunstform Plakat ebenfalls in schwierigen Gewässern: "Es gibt immer mehr Grafiker, die bestens ausgebildet von den Universitäten kommen. Mit ihren Laptops sitzen sie im Café und können die tollsten Sachen machen, aber die Preise sind im Keller." Abgeschrieben hat er das Plakat als Kunstform allerdings keinesfalls: "Das Plakat im öffentlichen Raum ist immer noch wichtig. Nur seine Bedeutung wird heute leider völlig unterschätzt."

Quelle: RP
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