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Emmerich
Prächtiger Zugewinn fürs Schloss

Emmerich: Prächtiger Zugewinn fürs Schloss
FOTO: Evers Gottfried
Emmerich. Ausstellung im Rahmen der "Kunst.Bewegt-Reihe": Das Museum Schloss Moyland präsentiert die Neuerwerbungen für die Sammlung des Schlosses, die durch die Hilfe von Stiftungen und Privatleuten ausgebaut werden konnte. Von Matthias Grass

Die Augen von Joseph Beuys liegen im Schatten der Hutkrempe - und schauen doch aus dem Schatten heraus den Betrachter neugierig wie eindringlich an: Beuys erklärt den Japanern seine "Soziale Plastik". Unten laufen Schriftzeichen durch das Bild: "Nämlich etwas, das man in der materiellen Begrifflichkeit nicht fassen kann", steht da. Katharina Sieverding, die zu den bekanntesten Gegenwartskünstlern Deutschlands zählt, hat aus ihrem Beuys-Foto der Fernsehübertragung ein Triptychon gemacht: "Kontinentalkern IV" titelt das Bild. Es hat die monumentale Größe von 3,37 mal 4,2 Meter - und hängt seit März in Museum Schloss Moyland.

Mit Hilfe der Kulturstiftung der Länder, der Kunststiftung NRW und des Ehepaars Böskens-Diebels konnte Moyland seine Sammlung mit dem monumentalen Werk von Sieverding ausbauen: Darauf kann das Haus unter Leitung von Direktorin Dr. Bettina Paust stolz sein. Das zeigt man auch: "Kontinentalkern IV" schmückt die Einladungskarte zur Präsentation "Zugewinn" von Neuerwerbungen der vergangenen sechs Jahre im Rahmen der Kunst-Bewegt-Ausstellungsreihe.

Links: Horst Keining steuerte weitere Werke zu seinen bereits in der Sammlung vorhandenen Arbeiten bei. Rechts Oben: Katharine Sieverding bei der Übergabe ihre Werkes im Museum Schloss Moyland: der wichtigste Zugewinn. Unten: Dr. Alexander Grönert und Museumsdirektorin Dr. Bettina Paust mit einer Skulptur von Horst Egon Kalinowski. FOTO: Evers

Dr. Alexander Grönert als Kurator hat das rechte Erdgeschoss im Schloss geräumt und dort die Ausstellung eingerichtet. Sieverdings "Kontinentalkern" blieb allerdings im Treppenhaus hängen - die Kabinette des Schlosses sind nichts für monumentale Bilder. Dafür konnte Grönert in zwei dieser Kabinette die Erweiterung der Beuys-Sammlung für Schloss und Archiv einrichten: Den wunderbaren Ankauf der Fotografien von Ute Klophaus. Grönert wählte rund 38 Fotos von Beuys und seinen Aktionen aus den 15.000 Schwarz-Weiß-Fotografien umfassenden Fundus aus. Der Fundus konnte mit Hilfe der Ernst-von-Siemens-Kunststiftung für das Joseph-Beuys-Archiv erworben werden. Ein Ankauf, der auch die Zusammenarbeit mit dem "Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart in Berlin" vertieft. Schön auch der Blick in das Archiv und seine Arbeitsweise. Briefe von Beuys zeugen von der Korrespondenz des Künstlers und von den Multiples, die zu den Ausstellungen erschienen.

Einer der Eckräume hingegen gehört den großen Formaten von Horst Keining: Seine Bilder aus der Ausstellung "Blurred Pop" hatten Farbe in die Moyland-Kabinette gebracht und gehören seit Jahren zur Sammlung van der Grinten. Keining steuert nicht nur die Bilder aus der Serie von 2005 hinzu, sondern auch zwei Streifenbilder, die er in den vergangenen Jahren weiter entwickelt hat und deren Ursprungs-Bild zur Sammlung van der Grintens gehörte. Eine prächtige Ergänzung. Hier kam auch der Förderverein Schloss Moyland zum Zuge: Er half bei der Erwerbung des Keining-Werkes "Japanisches Dschungelkleid".

FOTO: Evers Gottfried

Teil der Sammlung van der Grinten sind auch Werke von Horst Egon Kalinowski. Hier legte Franz-Joseph van der Grinten 1972 den Grundstock. Grönert präsentiert nicht ohne Stolz Teile der Sammlung mit der Neuerwerbung einer Figuration, die stark an eine Moorleiche erinnert - "Épiderme" heißt das faszinierende, gleichzeitig anziehende wie abstoßende Werk aus Leder und einem Glyzinienast.

Bleiben drei großen Arbeiten von Lori Nix, die im Rahmen der ersten Ausstellung der Amerikanerin in Deutschland nach Moyland kamen: als Schenkungen der Künstlerin und ihrer Galerie. Paul Schwers "Bao.island painting 3" gehört auch zu den Neuwerbungen, schwimmt aber draußen auf dem Schlossgraben.

Quelle: RP
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