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Rees
Randalierer zerstören zwei "Alltagsmenschen" in Rees

Rees: Randalierer zerstören zwei "Alltagsmenschen" in Rees
Da waren es nur noch 65 Alltagsmenschen: Außer den Schuhen ist nicht mehr viel zu sehen von dem blonden Betonjungen, der zu einem Quartett am Boule-Platz zwischen Stadtmauer und Damm gehörte. Bürgermeister Christoph Gerwers brachte die zerstörte Figur ins Rathaus und erstattete Anzeige gegen unbekannt. FOTO: Michael Scholten
Rees. Die "Alltagsmenschen" der Wittener Bildhauerin Christel Lechner erfreuen sich in Rees großer Beliebtheit. Umso verärgerter reagierten die Fans der prallen Betonfiguren auf die Nachricht, dass in der Nacht zu Samstag zwei Exemplare offenbar mutwillig beschädigt wurden. Von Michael Scholten

Bei einer der drei Grazien an der Rheinpromenade wurde das graue Surfbrett abgebrochen, in der Nähe des Boule-Platzes zwischen Stadtmauer und Damm wurde eine Kinderfigur auf Unterschenkelhöhe zerbrochen. Am Samstagmorgen waren nur noch die Schuhe und ein Stück der Hosenbeine zu sehen.

"Peinlich, fürchterlich, unverschämt, respektlos", kommentierte ein Mitglied der Facebook-Gruppe "Du bist Reeser", als gegen 11 Uhr das erste Foto der zerstörten Figur im Internet kursierte "Es tut mir besonders für die Künstlerin leid und natürlich für alle Bürger, die sich so schämen wie ich, dass dies hier passiert ist", hieß es weiter.

Während viele spekulierten, dass der "Alltagsmensch" gestohlen wurde, sagte Stadtsprecher Jörn Franken auf Anfrage der Rheinischen Post, dass die Figur im Rathaus liegt. "Bürgermeister Christoph Gerwers war wegen der Muttertagsaktion der CDU auf dem Marktplatz und erfuhr dort von der Sachbeschädigung. Daraufhin hat er die Figur gemeinsam mit Bauhof-Mitarbeitern ins Rathaus geholt", sagt Franken. Dem blonden Betonjungen war bereits einige Tage zuvor der rechte Arm abgebrochen worden. "Ob das mutwillig oder versehentlich passierte, ist nicht zu ermitteln. "Wir können nur an die vielen Besucher appellieren, die Figuren vorsichtig zu behandeln, wenn sie mit ihnen ein Foto machen wollen", sagt Jörn Franken.

Der Bürgermeister erstattete am Samstag bei der Kreispolizeibehörde Anzeige gegen unbekannt. Die ursprünglich 66 "Alltagsmenschen", die noch bis zum 24. Juli an mehr als 20 Orten in der City stehen, sind nicht versichert. Die Stadt Rees hat bei der Künstlerin eine Kaution hinterlegt, die in einer Sitzung des Kulturausschusses im Herbst 2015 mit "bis zu 10.000 Euro" beziffert worden war. Irreparable Schäden oder der komplette Verlust von Figuren werden daraus nach Ausstellungsende bezahlt.

Als die "Alltagsmenschen" am 19. April in Rees aufgebaut wurden, wollte Christel Lechner im Pressegespräch nur ungern über die mögliche Zerstörung ihrer Figuren sprechen: "Ich weiß, dass das passieren wird", sagte sie. "Oft sind es junge Leute und oft ist Alkohol im Spiel. Aber wir sollten das Thema nicht aufgreifen, bevor etwas passiert." Die Reaktionen im Internet beweisen die Sympathien, die die "Alltagsmenschen" bei den Reesern genießen: "Mir fehlen die Worte, ich bin einfach nur traurig", kommentiert eine Nutzerin. An anderer Stelle stehen härtere Worte: "Was für Vollidioten laufen hier rum? Unfassbar! Ich verstehe einfach nicht, was man davon hat, wenn man so etwas macht."

Auch Stadtsprecher Jörn Franken und Bürgermeister Christoph Gerwers reihen sich in den Chor der Kritiker ein: "Leute, die mutwillig etwas zerstören, das vielen anderen Menschen Freude macht, beweisen lediglich, dass sie weniger Hirn haben als die Alltagsmenschen. Und deren Köpfe sind aus Beton."

Quelle: RP
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