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Emmerich
Razzia im Bordell: Waffen und Bargeld

Emmerich: Razzia im Bordell: Waffen und Bargeld
Großeinsatz im Gewerbegebiet: Das Bordell "FKK van Goch" wurde von 140 Beamten durchsucht. FOTO: Gottfried Evers
Emmerich. 140 Beamte durchsuchten den Erotikclub "FKK van Goch". Der Verdacht: Schleusertätigkeit und Steuerhinterziehung. Eine Spur führte auch auf den Campingplatz Am Brahmberg, wo die Betreiber eine Hütte besitzen. Von Anja Settnik und Christian Hagemann

Das Bordell "FKK van Goch" im Industriegebiet ist Mittwoch bis in die Abendstunden von der Bundespolizei Kleve, der Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Zolls Emmerich und der Steuerfahndung Düsseldorf im Auftrag der Staatsanwaltschaft Kleve durchsucht worden. Um 15.45 Uhr hatte die Razzia begonnen, an der 140 Mitarbeiter der verschiedenen Behörden beteiligt waren.

Die Betreiber des Bordells, das Ehepaar Oberender, stehen in Verdacht, eingeschleuste Ausländerinnen aus Nicht-EU-Ländern zur Prostitution in ihrem Betrieb zu beschäftigen. Neben dem banden- und gewerbsmäßigen Einschleusen von Ausländern wird ihnen auch Steuerhinterziehung und das Vorenthalten von Arbeitsentgelt vorgeworfen. Denn die Damen waren bei den Behörden "so nicht angemeldet", wie ein Vertreter der Staatsanwaltschaft im RP-Gespräch sagt.

Neben dem Betreiberehepaar waren 16 Frauen in dem Bordell, die offenbar in dem Saunaclub arbeiten. Dabei handelt es sich um neun Rumäninnen, fünf Bulgarinnen und eine Deutsche. Eine weitere Prostituierte, vermutlich mazedonische Staatsangehörige, hat sich mit einer gefälschten bulgarischen Identitätskarte ausgewiesen. Sie hält sich seit 2009 unerlaubt im Bundesgebiet auf. Bei der Durchsuchung wurden zahlreiche Beweismittel, die für das Strafverfahren von Bedeutung sein können, gefunden und beschlagnahmt.

Zudem fanden die Beamten ein Wurfmesser, eine Schlagwaffe, ein verbotenes Elektroimpulsgerät und eine Softair-Waffe, die jeweils einen Verstoß gegen das Waffengesetz darstellen. Auch größere Mengen Bargeld wurden entdeckt. Die Banknoten sowie weitere Vermögenswerte werden zur Sicherung des entstandenen Steuer- und Sozialabgabenschadens gesichert. Dieser Schaden wird auf 2,7 Millionen Euro geschätzt.

Derzeit laufen die Vernehmungen der Beschuldigten und Zeugen. Die Beweismittel und erste Aussagen belasten die Betreiber des FKK-Clubs zum Teil erheblich. Im Fokus der Ermittlungsbehörde steht auch ein türkischer Staatsangehöriger, der für den Bordellbetrieb tätig sein soll. Nach Angaben der Bundespolizei hat er offenbar den Betrieb geführt. Den Mann hatte man bis Mittwochabend noch nicht gefasst.

Das "FKK van Goch" war von Ulla Oberender als der "Größte Saunaclub in NRW" bezeichnet worden. Die Betreiber sind Mitglied im Werbering der Stadt und hatten die Erweiterungsfläche seinerzeit vom damaligen CDU-Parteivorsitzenden Josef Thonnet erworben. Von außen weisen die Schriftzüge "FKK van Goch" und die Gips-Löwen vor der Tür darauf hin, dass in dieser biederen Umgebung wohl ein Stück Rotlichtmilieu zu Hause ist. Ein "einmaliges Domizil der Lust", wie die Betreiber auf ihrer Internetseite schreiben.

Die wenigen Nachbarn und die dort Arbeitenden lässt das kalt. Eine Frau beteuert, die Betreiber der Anlage seien freundliche Leute, die ihr noch nie Probleme bereitet hätten. Die Musik sei schon mal laut gewesen, und ein-, zweimal war nach Streitereien auch schon mal die Polizei da. Aber ansonsten habe man keinen Grund zur Klage.

Auf der Homepage des Clubs werden Frauen aus Marokko, Russland, Indien, Thailand und der Türkei vorgestellt. Die Staatsanwaltschaft lässt prüfen, ob einige von ihnen illegal nach Deutschland geschleust wurden. Der Großteil der Damen scheint aber aus Rumänien und Bulgarien zu stammen. Für die Befragung dieser Frauen standen gestern etliche Dolmetscherinnen im Nieselregen vor dem Club. In Polizei-Bussen wurden einige von ihnen zur Vernehmung in umliegende Wachen gefahren. Umfangreiche Anschlussermittlungen, so die Bundespolizei, werden die Behörden noch lange beschäftigen.

Auf richterliche Anordnung wurde die Durchsuchung eines weiteren Objektes in Emmerich angeordnet. Die Maßnahme dauert am Mittwochabend ebenfalls noch an. Drei Beamte und ein Staatsanwalt schauten sich auf dem Campingplatz Am Brahmberg in Elten um. Auf der Anlage an der Wild gehört dem Betreiberpaar eine "komfortable Hütte", wie die Bundespolizei erklärte. Sie diente lediglich dem Wohnzweck. Prostitution fand hier nicht statt.

Die Beamten durchsuchten das Objekt in der Hoffnung darauf, weiteres Material zu finden, das Hinweise auf den Betrieb in Goch und geschäftliche Verbindungen enthält. Ob die Beamten dabei fündig geworden sind, teilte die Bundespolizei nicht mit.

Quelle: RP
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