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Emmerich
Reckerfeld auf dem Prüfstand

Emmerich. Der Deichverband Bislich-Landesgrenze hat untersuchen lassen, welche Möglichkeit es für die Optimierung des Polders Lohrwardt gibt. Durch Einbeziehung von Reckerfeld in den Hochwasserschutz könnten bis zu 16,3 Millionen Kubikmeter Wasser zusätzlich aufgenommen werden. Von Sebastian Latzel

Auch Deichgräf Herbert Scheers weiß, dass die Diskussion längst auch auf emotionaler Ebene geführt wird. Daher ist ihm wichtig, zu betonen: "Wir stellen hier lediglich unsere Überlegungen vor. Wir wollen keine Verträge brechen und niemanden vor vollendete Tatsachen stellen." Doch es müsse gerade für einen Deichverband erlaubt sein, über neue Möglichkeiten beim Hochwasserschutz nachzudenken. "Das ist sogar unsere Pflicht."

Nachgedacht hat der Deichverband darüber, wie der Hochwasserschutz im Polder Lohrwardt optimiert werden kann. Bisher ist geplant, dort einen rheinfernen Deich hinter den beiden Seen Roosenhofsee und Lohrwardtsee zu bauen. Der vorhandene Banndeich soll zum Sommerdeich werden – zu einem Deich also, der bei Hochwasser überschwemmt wird.

Direkt an den Polder grenzt das Auskiesungsgebiet Reckerfeld. Und das möchte der Deichverband gerne mit in den Hochwasserschutz integrieren. Durch die Auskiesung entsteht dort nämlich gerade ein weiterer See, der durch einen Ringdeich geschützt wird.

Verfüllung als Knackpunkt

Im Auftrag des Deichverbandes hat das Ingenieurbüro Gewecke und Partner verschiedene Varianten für das Poldergebiet durchgespielt. Diese Alternativen präsentierte Martin Schulte von Gewecke und Partner gestern auch den Politikern im Bauausschuss. Die Varianten zeigen unterschiedliche Möglichkeiten für ein neues Konzept von Reckerfeld und Lohrwardt auf. Zentraler Bestandteil der Untersuchungen ist jeweils, das Auskiesungsgebiet mit in den Polder einzubeziehen, damit er Hochwasserschutzfunktion übernimmt.

Die Varianten zeigen auf, wie viel zusätzlicher Retentionsraum gewonnen werden kann. Dieser reicht von 2,8 bis 11,3 Millionen Kubikmeter. Dieser Spitzen-Wert würde bei einer so genannten "Drei Seen"-Variante erreicht. Bei diesem Vorschlag würden Lohrwardt und Reckerfeld zu Taschenpoldern. Flächen, die bei Hochwasser über ein spezielles Einlaufbauwerk geflutet werden können. Das Wasser würde in den drei Seen gewissermaßen "geparkt" bis die Hochwasserwelle vorbei ist. "Das sorgt dafür, dass der Pegel bis Elten um zehn Zentimeter sinken kann", so Schulte.

Gesteuert würde das System über eine Fischbauchklappe, die so heißt, weil sie wie ein Fischbauch geformt ist. Diese Technik werde bereits am Oberrhein erfolgreich eingesetzt, so Schulte.

Die Präsentation der Varianten versteht der Deichgräf als Einstieg in eine Diskussion. "Wir sind hier völlig ergebnisoffen", sagt Scheers, der klarstellte: "Wir sind auf jeden Fall vertragstreu. Eine Änderung des Konzepts für Lohrwardt und Reckerfeld gibt es nur, wenn alle Vertragsparteien zustimmen."

Im Jahr 1998 hatten Stadt, Kiesfirma Hülskens, Deichschau Haffen-Mehr und Land den Vertrag geschlossen. Land, Deichverband und Kiesfirma haben bereits signalisiert, dass sie bereit sind, die Pläne zu ändern. Knackpunkt wird die Wiederverfüllung sein. Die Vereinbarung sieht nämlich vor, dass die Kiesfirma Reckerfeld wieder zur Ackerfläche macht.

Quelle: RP
 
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