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Rees vor der 3,7-Millionen-Frage

Rees: Rees vor der 3,7-Millionen-Frage
Blick in die Zuschauer bei der Sitzung des Reeser Ausschusses "Bauhof und Bäderbetrieb" im Bürgerhaus. FOTO: Michael Scholten
Rees. Gutachter: Baukosten von bis zu 3,7 Millionen Euro. Belastungen des Bäderbetriebes mit 420.000 Euro pro Jahr. Von Michael Scholten

Scheitert der Neubau des Reeser Freibads an den hohen Kosten? Das Planungsbüro Antec rechnet mit Baukosten von bis zu 3,7 Millionen Euro, die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Dr. Heilmaier & Partner beziffert die Belastungen des Bäderbetriebes der Stadt Rees mit 420.000 Euro pro Jahr.

Bürgermeister Christoph Gerwers sprach in der Sitzung des Betriebsausschusses Bauhof- und Bäderbetrieb von einer "erheblichen Belastung für die Stadt" und betonte, dass die Ratsmitglieder vor einer "ganz schwierigen und sehr teuren Entscheidung" stehen.

Im Dezember 2016 hatte der Rat eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, ob und wie das 40 Jahre alte und zum letzten Sommer stillgelegte Freibad langfristig betrieben werden kann. Stefan Blau vom Planungsbüro Antec aus Koblenz stellte nun im großen Saal des Bürgerhauses erste Konzepte vor.

Blick auf das stillgelegte Reeser Freibad. FOTO: Michael Scholten

Alle haben gemeinsam, dass die bestehenden Becken und Gebäude sowie die Badewassertechnik komplett erneuert werden. Die alten Becken dienen nur als Grundlage für neue Becken aus Edelstahl.

Neben einem 100 Quadratmeter großen Kinderplanschbecken würde ein 25 mal 16,67 Meter großes Schwimmbecken entstehen, sodass nur noch ein Drittel der bisherigen Wasserfläche zur Verfügung steht. Hinzu käme ein "Nutzungskonflikt" zwischen Wettkampfschwimmern, die auf 25 Metern eine Wassertiefe von mindestens 1,80 Metern wünschen, und einem Nichtschwimmerbereich, der an der Stirnseite nur 80 Zentimeter tiefes Wasser bietet.

Deshalb präsentierte Stefan Blau dem Betriebsausschuss auch ein Erweiterungskonzept, das ein drittes Schwimmbecken vorsieht: Neben dem Kinderplanschbecken würde ein wettkampftaugliches Hauptbecken sowie ein abgetrenntes, 208 Quadratmeter großes Nichtschwimmerbecken entstehen. Die Mehrkosten liegen bei 450.000 Euro. Außer dem bestehenden Vereinsheim des Reeser Schwimmclubs, das auch als Begrenzung zum Parkplatz erhalten bleiben soll, würden alle bestehenden Bauten des Freibads abgerissen und neugebaut: ein Funktionalgebäude mit Kasse, Sanitär- und Umkleidebereich, ein Technikgebäude für die Wasserfiltertechnik und eine Badeaufsicht, die auch als Betriebsraum genutzt werden kann. Die Gastronomie müsste später geplant werden und floss nicht in die jetzige Kalkulation mit ein. Auch Sonderausstattungen wie Bänke, Spielplätze oder ein Beachvolleyballfeld müssten später diskutiert und finanziert werden.

Der Krefelder Wirtschaftsprüfer Ralf Kempkens erläuterte die wirtschaftlichen Auswirkungen. Die Baukosten könnten aus Eigenmitteln von 1,5 Millionen Euro und einem Kommunaldarlehen von circa 2,2 Millionen Euro (bei 20 Jahren Laufzeit) finanziert werden. Den Löwenanteil am jährlichen Defizit von 420.000 Euro würden die Personalkosten und Abschreibungen ausmachen. Angesichts der 20.000 Besucher, die das Reeser Freibad pro Sommersaison hatte und die drei Euro Eintritt zahlten, ging Ralf Kempkens von einem steuerbefreiten Erlös von lediglich 56.000 Euro pro Jahr aus. Somit müsste die Stadt jeden Freibadbesuch mit bis zu 25,85 Euro subventionieren.

"Wir werden deutlich teurer werden müssen", warnte Bürgermeister Gerwers. "Den Preis von drei Euro für einen ganzen Tag im Freibad können wir nicht halten. Jeder Nutzer wird sich viel stärker als bisher beteiligen müssen." Diesbezüglich zeigte Gerwers auch Interesse an Kooperationen mit dem Reeser Schwimmclub und dessen Kontakten zu möglichen Sponsoren.

Kempkens riet zur Einholung einer verbindlichen Auskunft bei der Finanzverwaltung, inwieweit das Freibad - ähnlich wie das Stadtbad - von einer Verpachtung an die Stadtwerke GmbH und von einem steuerlichen Querverbund profitieren kann. Stadtkämmerer Andreas Mai und Bürgermeister Gerwers zeigten sich wenig optimistisch und rechnen zudem mit einer "Verzögerung von einem halben Jahr".

Die Ausschussmitglieder werden bis zum 12. Dezember über die Konzepte für das Freibad diskutieren, bevor die Ratsmitglieder am 19. Dezember für oder gegen den Neubau stimmen.

Quelle: RP
 
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