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Rees
Wilde Gerüchte um Polizei-Einsatz in Flüchtlingsheim

Rees: Wilde Gerüchte um Polizei-Einsatz in Flüchtlingsheim
Wegen eines Polizeieinsatzes an einem Flüchtlingsheim gab es wilde Gerüchte, die Polizei habe den Einsatz verschweigen wollen. FOTO: Polizei Mettmann
Rees. Zwei Männer streiten sich um Mitternacht in der Flüchtlingsunterkunft in Rees. Einer bekommt einen Fausthieb ab. Daraus wird die Parole, es habe eine Messerstecherei gegeben, die von der Polizei verschwiegen werden sollte. Verschwörungstheorien in Rees. Von Christian Hagemann

Nach einem Einsatz der Polizei kurz nach Mitternacht am Dienstag in der Flüchtlingsunterkunft in Rees geisterte durch die Kleinstadt die Nachricht, die Polizei habe eine Messerstecherei unter Flüchtlingen verschwiegen.

Fakt ist: In der Unterkunft (ehemalige Drogenklinik "Horizont") gab es einen Streit zwischen zwei Männern. Dieser artete aus. Einer der Beteiligten bekam einen Schlag ins Gesicht. Es gab eine Platzwunde am Kinn. Daraufhin erschien die Polizei in der Unterkunft sowie ein Krankenwagen.

Die Ohren- und Augenzeugen aus der Nachbarschaft, die über häufige Ruhestörungen und Streitigkeiten in der Unterkunft klagen, interpretierten den Vorfall am nächsten Morgen anders. Die Geschichte hatte sich wie beim "Stille Post"-Spiel zu einer Messerstecherei unter den Anwohnern entwickelt.

Und: Die Polizei werde diese Messerstecherei auch nicht der Öffentlichkeit mitteilen, weil es sich um Flüchtlinge handle. Um die ohnehin angespannte Lage in Deutschland nicht noch zu verstärken.

Unsere Redaktion bekam einen Hinweis auf die Geschehnisse in Rees und fragte bei Polizeisprecher Manfred Jakobi (der in Rees-Millingen wohnt) nach. Der Öffentlichkeitsroutinier der Kreispolizeibehörde fragte bei den Kollegen vom Nachtdienst und meldete sich dann nach wenigen Minuten in der Redaktion. Es habe die Körperverletzung im Flüchtlingsheim gegeben, sagte er.

Im Bericht der Polizeipressestelle, den es jeden Morgen frei verfügbar im Internet gibt, wurde der Vorfall nicht erwähnt, weil es sich um einen Routineeinsatz handle, wie er jede Nacht und am Wochenende gleich mehrfach vorkomme. "Wir berichten auch nicht über jede Kneipenschlägerei in Rees oder sonstwo", so Jakobi. "Wenn es so wäre, müssten wir aus bestimmten Lokalitäten im Kreis Kleve am Montag direkt mehrere Meldungen über Schläge und Polizeieinsätze bringen."

Eine Ergänzung der Redaktion: Im Polizeibericht stehen auch nicht die Einsätze der Polizei, wenn es sich um häusliche Gewalt handelt.

Dass sich der Glaube daran, die Polizei verschweige bewusst Straftaten, die mit Nicht-Deutschen zu tun haben, ist vermutlich der derzeitigen Lage in Deutschland geschuldet, in der Rechte schamlos gegen Ausländer hetzen.

Sie hat aber vielleicht auch etwas damit zu tun, dass vor Jahren die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen die Order an ihre Pressestellen herausgab, bei Polizeimeldungen nur in Ausnahmen auf die Nationalität der Beteiligten abzuheben. Dies auch mit Blick auf den Deutschen Presserat. Dessen Richtlinie 12.1 des Pressekodex soll Journalisten davon abhalten, Minderheiten zu diskriminieren.

Dort wird empfohlen, nicht vorgeschrieben: "In der Berichterstattung über Straftaten wird die Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten nur dann erwähnt, wenn für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht. Besonders ist zu beachten, dass die Erwähnung Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren könnte."

(rp)
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