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Tötungsdelikt in Emmerich
25-Jähriger soll Senior aus Mordlust getötet haben

Rentner in Emmerich getötet: 25-Jähriger soll aus Mordlust getötet haben
Am Freitag sammelten die Ermittler Spuren im Haus des 77-jährigen Toten in Emmerich. FOTO: Markus van Offern
Emmerich. Ein 77-Jähriger wurde in seiner Wohnung in Emmerich getötet. Die Polizei hat einen 25-jährigen Klever festgenommen. Er hat gestanden, Robert Christ in Elten in seinem Haus grausam getötet zu haben. Das Motiv: Mordlust. Von Monika Hartjes

Man sei erleichtert, dass man so kurz nach der Tat bereits von einen Tatverdächtigen berichten könne, sagte Achim Jaspers auf der Pressekonferenz der Mordkommission und der Staatsanwaltschaft am Mittwoch. Ein 25-jähriger arbeitsloser Klever hatte bereits am Dienstag gestanden, aus "Mordlust" und "Habgier" den 77-jährigen Robert Christ aus Elten umgebracht zu haben. Er ist der Polizei bekannt, ist Betäubungsmittelkonsument und wegen Körperverletzung und Eigentumsdelikten auch vorbestraft.

Staatsanwalt Henrik Timmer gab Details bekannt: Schon als Kind habe er Mordfantasien gehabt, am Tattag habe er einfach Lust gehabt, seine Fantasien auszuleben und das Opfer eher zufällig ausgesucht. Den ersten Kontakt zum Getöteten hatte der Klever bereits im September. Eigentlich sei er heterosexuell, wollte aber auch homosexuelle Kontakte ausprobieren, sagte er aus.

Er hatte sich über ein Internetportal mit Christ verabredet. Dieser holte ihn am vergangenen Donnerstag um 16.47 Uhr vom Bus am Nonnenplatz ab und fuhr mit ihm nach Elten. Unter dem Vorwand, zur Toilette gehen zu wollen, ging er ins Schlafzimmer im Dachgeschoss, das Opfer folgte ihm.

Sofort schlug der Täter ihm ins Gesicht, was beim Opfer zu starkem Nasenbluten führte. Christ flüchtete nach draußen, doch der junge Mann zog ihn wieder ins Haus zurück. Vor der Kellertreppe schlug er mit Faust und Handkante auf sein Opfer ein, holte einen Gürtel, womit er die Hände fesselte und stieß Christ in den Keller. "Als er merkte, dass sein Opfer sich noch regte, holte er ein Messer und schnitt ihm damit ins Gesicht. Auch versuchte er, ihm die Kehle durchzuschneiden.

Danach holte er einen Feuerlöscher und schlug auf das Opfer ein, wobei Schädeldecke, Augenhöhle und Kiefer brachen, was laut Obduktion zum Tod führte. Dann schüttete er Wodka über den Toten und versuchte, ihn anzuzünden, was nicht gelang. Der Täter durchsuchte das Haus, fand 350 Euro im Auto in der Garage. Er drehte alle Wasserhähne auf und verstopfte die Abflüsse.

Zu Fuß verließ er das Haus und bestellte sich um 17.48 Uhr ein Taxi, das ihn zurück nach Kleve brachte. "Das ganze Geschehen ist innerhalb von 30 bis 45 Minuten abgelaufen", so Timmer.

Schnell geriet der Täter in Verdacht, als die Mobilfunkdaten vom Handy des Opfers ausgewertet wurden, die den Chatverlauf der Verabredung anzeigten. Zwar seien hier nur Tarnnamen genannt worden, aber beim ersten Kontakt im September habe der Täter seine genaue Adresse angegeben.

Als die Polizei am Dienstagmorgen zur Durchsuchung kam, erwartete der Täter sie bereits. Er habe gegoogelt, wie lang eine Polizeiermittlung dauert und wusste so, wann die Polizei kam, berichtete er bei der Vernehmung. Außerdem stand seine Tasche bereits fertig gepackt - mit mehreren Zigarettenpäckchen - für einen längeren Haftaufenthalt.

Neben der Auswertung der Handydaten stimmte auch die DNA an einer Zigarette, die am Tatort gefunden wurde, mit der Täter-DNA überein. "Hier haben sich die typischen Gefahren des Internets verwirklicht, das eine schnelle Kontaktaufnahme zu Fremden möglich macht", sagte Timmer. Er dankte dem 24-köpfigen Team der Mordkommission. "Durch die hohe Anzahl an Beamten konnten viele Ermittlungen parallel laufen." Sein besonderer Dank galt Gerd Hoppmann, Leiter der Mordkommission, "der alles sehr souverän und mit sehr ruhiger Hand koordiniert hat".

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Der Täter sitzt jetzt in der Justizvollzugsanstalt Kleve. Bei Motiven wie Mordlust wird auf jeden Fall ein psychiatrisches Gutachten vom Täter in Auftrag gegeben.

 

 
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