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Rees
Rhein-Hochwasser rauscht rasant ab

Rees: Rhein-Hochwasser rauscht rasant ab
Die untere Ebene der Promenade ist derzeit in Rees gesperrt. FOTO: Sebastian Latzel
Rees. Mehr als fünf Millionen Liter Wasser fließen am Pegel Rees derzeit pro Sekunde in Richtung Niederlande. Von S. Latzel und F. Schubert

Am Wochenende ist der Bauhof aktiv geworden. Die Mitarbeiter räumten Gitter an die untere Ebene der Promenade und sperrten das Teilstück ab. Rechtzeitig bevor die Flutwelle an der Stadt vorbeikam. "Die Prognosen sind immer recht zuverlässig", sagt Ordnungsamtsleiter Frank Postulart. Und da Tauwetter vorausgesagt war, war vorherzusehen, dass dann auch der Rheinpegel steigt. "So etwas überrascht uns nicht, wir sind gut vorbereitet und haben Zeit, um entsprechend zu reagieren." Gestern lag der Pegel in Rees unter sieben Meter. Er sollte weiter fallen. Daher ist derzeit nicht zu erwarten, dass auch die obere Promenade gesperrt werden muss. Das ist erst bei einem Pegel von 7,25 Meter der Fall. Das Hochwasser an der Promenade verfolgen die Reeser entspannt. Schließlich sind solche Pegelstände hier Routine. Trotzdem waren gestern wieder viele "Rhinkieker" unterwegs, die sich das Schauspiel an der Promenade aus der Nähe ansahen.

Der Scheitelpunkt für die aktuelle Hochwasserwelle ist allerdings erreicht. Die Pegelstände sinken wieder. Ein Weihnachtshochwasser ist also nicht zu erwarten.

Die Wassermengen, die derzeit am Weseler Ufer rheinab rauschen, sind gewaltig. Jan Böhme, Hydrologe beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Duisburg-Rhein, spricht von 5100 Kubikmetern Wasser, die pro Sekunde den Weseler Pegel passieren. Das sind 5,1 Millionen Liter oder rund 34.000 Füllungen einer durchschnittlichen Badewanne. Das Tempo ist auch nicht ohne: Ist der Rhein in unserer Region in der Regel mit vier bis sieben Kilometern in der Stunde unterwegs, so sind es laut Böhme zurzeit etwa zehn. Pro Sekunde treibt die starke Strömungsgeschwindigkeit den Fluss knapp drei Meter voran.

Anfang Dezember hatte der Rhein schon einmal einen Anlauf auf höhere Werte unternommen, war dann aber wieder in die Vier-Meter-Region zurückgefallen, um nun binnen fünf Tagen um gut drei Meter anzuschwellen. Jan Böhme sieht als Hauptursache die Niederschläge der jüngsten Vergangenheit. Die Böden seien komplett gesättigt und könnten nichts mehr aufnehmen, so dass frischer Regen unmittelbar in die Nebenflüsse und so zum Rhein fließe. Der Gewässerkundler spricht in der Rückschau auf 2017 von einem recht ausgeglichenen Jahr.

Für die Schifffahrt auf dem Niederrhein hat die jüngste Hochwasserwelle übrigens keine negativen Auswirkungen gehabt. Anders war das in Köln, wo am Sonntag mit 6,58 Meter der Scheitel erreicht war. Das waren 38 Zentimeter über der dortigen Hochwassermarke I, was zu ersten Beschränkungen für die Schiffsführer führte: Sie mussten das Tempo drosseln und in der Mitte des Fahrwassers bleiben.

Von solchen Verhältnissen war der Niederrhein weit entfernt. In Wesel liegt die Hochwassermarke I bei 8,70. Die Marke II, die hier zur Einstellung des Schiffsverkehrs führt, liegt bei 10,60 Meter.

Quelle: RP
 
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