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Emmerich
Röntgenbilder aus privater Hand

Emmerich: Röntgenbilder aus privater Hand
Sabine Bankel und Christine Lexow-Richter von "medneo" rahmen die Mediziner Dr. Angelika Mosch-Messerich und Rüdiger Jans vor dem neuen MRT-Gerät ein. FOTO: MArkus van Offern
Emmerich. Das Willibrord-Hospital kooperiert mit der Firma "medneo". Die Berliner sind für Röntgen-, MRT- und CT-Aufnahmen zuständig und haben technisches Personal des Krankenhauses übernommen. Die Abteilung wurde bereits umgebaut. Von Markus Balser

Die Umbauten sind abgeschlossen, Ende Januar soll offiziell eröffnet werden. Die Rede ist von der Abteilung für bildgebende Diagnostik des Emmericher Willibrord-Spitals. Sie ist Bestandteil einer Kooperation, die das Krankenhaus mit dem privaten Unternehmen "medneo" eingegangen ist. Deren Inhalt: Während das Spital weiterhin für den medizinischen Part zuständig ist, übernimmt die Firma aus Berlin alles, was mit der Geräte- und IT-Technik, den Prozessabläufen und der Administration zu tun hat. Röntgen-, MRT- und CT-Aufnahmen werden über sie abgewickelt. "medneo" betreibt die Abteilung für bildgebende Diagnostik und liefert dem Klinikum bzw. dessen Radiologen die angeforderten klinischen Bilder - als Dienstleistung. Das nichtmedizinische Personal der Abteilung, insgesamt zwölf Mitarbeiter, wurde bereits von "medneo" übernommen. Der abgeschlossene Vertrag läuft über zehn Jahre.

"Wir haben Ende letzten Jahres entschieden, uns in der Radiologie neu aufzustellen", sagt Holger Hagemann, stellvertretender Geschäftsführer des Willibrord-Spitals. Für das Krankenhaus hätten ohnehin hohe Investitionen in die EDV der Abteilung angestanden, die übernimmt und betreibt jetzt medneo - und nicht nur das. Mit dem Unternehmen hat auch ein neues, leistungsfähigeres MRT-Gerät Einzug in den ersten Stock des Krankenhauses gehalten.

Damit kann das Willibrord-Spital auch einen weiteren Vorteil ausschöpfen: Die Radiologie, die früher auf den ersten Stock (Röntgen) und den Keller (MRT/CT) verteilt war, ist jetzt komplett an einem Standort zu finden - in direkter Nähe zur Notfallambulanz.

Das neue MRT-Gerät, angeschafft von "medneo", kostete rund eine Million Euro, in den Umbau der Station investierte das Krankenhaus die gleiche Summe. Die neu angelieferten Gerätschaften waren übrigens so schwer, dass aus Gründen der Statik zusätzliche Stahlträger in die Kellerdecke eingezogen werden mussten.

Die Firma "medneo" hat vor ca. 2,5 Jahren mit einem betriebenen MRT-Gerät in Berlin gestartet. Mittlerweilen betreibt die Firma mit rund 100 Mitarbeitern Diagnostikplattformen in vier Bundesländern. Weitere sollen folgen. "Wir verstehen uns als technische Plattform, die ihr Betreiber-Know-how Krankenhäusern zur Verfügung stellt", sagt Sabine Bankel, die den "medneo"-Standort in Emmerich aufgebaut hat. Er wird künftig von Christine Lexow-Richter geleitet. Allerdings nur auf der technisch-prozessualen Seite. Für das Medizinische sind weiterhin Dr. Angelika Mosch-Messerich und ihr Team zuständig. "Das ist Bestandteil unseres Konzeptes: Die ärztliche Kompetenz verbleibt beim Krankenhaus", erklärt "medneo"-Geschäftsführer André Glardon.

Für die Patienten in Emmerich ändert sich durch die Kooperation auch vieles zum Positiven. "Sie werden von der Umstellung nichts merken, außer, dass die Versorgungsqualität besser wird. Die Wartezeiten verkürzen sich und die niedergelassenen Ärzte können an den schnelleren Befunden teilhaben", sagt Holger Hagemann.

Um wie viel schneller die neue Radiologie jetzt arbeiten kann, lässt sich vielleicht auch an folgender Zahl ablesen: Kürzlich wurden während des regulären Patientenbetriebs an einem Tag noch zusätzlich 70 Flüchtlinge untersucht. "Das wäre zuvor so nicht möglich gewesen", sagt Holger Hagemann, der die neue Zusammenarbeit als "zukunftsweisend für die deutsche Krankenhaus-Landschaft" betrachtet. Das sieht auch "medneo" so. "Für uns ist Emmerich ein Referenz-Modell", sagt Sabine Bankel.

Künftig sollen auch alle niedergelassenen Ärzte direkt auf die medizinischen Bilder und Befunde zugreifen können, wenn es eine teleradiologische Anbindung der Praxen gibt. Doch das ist noch Zukunftsmusik.

Quelle: RP
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