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Himmel & Erde
Rote Karte für Erdogan!

Emmerich. Manche Gäste kann man sich nicht aussuchen, selbst dann nicht, wenn man Gastgeber ist. Der in diesen Tagen in Hamburg stattfindende G 20-Gipfel ist ein gutes Beispiel für solch eine schwierige Situation. Unter den Staatspräsidenten der Gruppe der zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer befinden sich nicht nur honorige Teilnehmer wie Emmanuel Macron aus Frankreich oder Justin Trudeau aus Kanada. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel muss im Rahmen der deutschen G 20-Präsidentschaft auch ausgewiesene Autokraten und Diktatoren wie den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan oder Wladimir Putin aus Russland in Hamburg empfangen. Besonders befremdlich muss dabei auf jeden Demokraten die Teilnahme des türkischen Präsidenten Erdogan erscheinen. Mit unbarmherziger Hand führt Erdogan die Türkei in eine Ein-Mann-Herrschaft. Jegliche demokratische Opposition wird systematisch ausgeschaltet und unterdrückt. Wie sein menschenverachtendes Vorbild aus Nordkorea, Diktator Kim Jong-un, verwandelt auch Recep Tayyip Erdogan sein Land in ein riesiges Gefängnis. Seit dem bis heute nicht aufgeklärten Putschversuch vor einem Jahr sind über 50.000 Menschen in der Türkei inhaftiert und in Schauprozessen zu langen Haftstrafen verurteilt worden. Auch deutsche Staatsbürger, wie der türkischstämmige Journalist Deniz Yücel, werden Opfer der Willkürherrschaft des Machtapparats von Erdogan. Mit großer Härte geht der türkische Staat auch gegen die christliche Minderheit im eigenen Land vor. Der von der türkischen Regierung bis heute geleugnete Völkermord durch die Herrscher des Osmanischen Reichs an den Armeniern hat zu Beginn des 20. Jahrhunderts etwa eine Millionen Christen das Leben gekostet. Bis heute leben Christen unter großen Einschränkungen und Repressalien in der Türkei. Die größte christliche Minderheit, die Aramäer, sind bis heute in der Türkei als Minderheit nicht anerkannt und können das Recht auf Religionsfreiheit so gut wie nicht ausüben. Bau und Erhalt von Kirchen und Gemeindehäusern sind den insgesamt nur noch 20.000 Aramäern in der Türkei faktisch untersagt. Gerade in diesen Tagen hat eine großangelegte staatliche Enteignungswelle von christlichen Klöstern, Landbesitz und Grabstätten begonnen, die die ohnehin schon stark gefährdete christliche Kultur in der Türkei vollends zerstören kann. Von den großzügigen Regelungen, die den in Deutschland lebenden Muslimen ermöglicht, auch große und repräsentative Moscheebauten zu errichten, können die drangsalierten christlichen Gemeinden in der Türkei nur träumen. Zwischen 1923 und 2015 hat es gerade einmal den Neubau einer einzigen Kirche auf türkischem Boden gegeben. Angela Merkel muss als Bundeskanzlerin auch den türkischen Präsidenten in Hamburg empfangen. Als Kirche sagen wir: Rote Karte für Erdogan!

Thomas Brödenfeld

Quelle: RP
 
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