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Rees
Saatkrähen sind ein Ärgernis

Rees: Saatkrähen sind ein Ärgernis
Großes Bild: Nester in einer Baumkrone im Reeser Stadtgarten. Kleines Bild: eine Saatkrähe mit Material für den Nestbau. FOTO: Malzbender
Rees. Die Saatkrähen, die im Reeser Stadtgarten nisten, sind seit Jahren ein Ärgernis. Auf einer Reeser Facebook-Seite ist die Diskussion unlängst wieder entflammt. Von Michael Scholten

Frühjahr für Frühjahr nisten die geschützten Saatkrähen in den Baumkronen des Stadtgartens. Frühjahr für Frühjahr ärgern sich auch die Anwohner sowie die Besucher der angrenzenden Gemeinschaftspraxis und der Apotheke über den Vogeldreck, der sich auf den Gehwegen und parkenden Autos sammelt. Die Rheinische Post berichtet seit Jahren über den Fall. Auf einer Reeser Facebook-Seite ist die Diskussion unlängst wieder entflammt. "Man kann dort nicht parken, nicht gehen oder stehen, ohne sofort voll gesch.... zu werden", beschwert sich eine Kommentatorin und nennt den Bereich Vor dem Falltor einen "Schandfleck". Andere stimmen ihr zu und fragen, warum Emmerich und Wesel-Büderich eine sogenannte Krähenvergrämung durchgeführt haben, die Stadt Rees dies aber "nicht für nötig" hält.

Stadtsprecher Jörn Franken zeigt Verständnis für den Ärger der Bürger. "Auch wir als Stadt sind mit der Situation am Stadtgarten alles andere als zufrieden", sagt er auf Anfrage der Rheinischen Post und verspricht: "Wir werden mit der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Kleve in Kontakt treten, um gemeinsam eine Lösung zu finden, wie wir die Bestände am Stadtgarten reduzieren können."

Die letzte Zählung, Ende 2014, habe 17 Saatkrähen-Kolonien in Rees ergeben. Das entsprach zirka 1200 Vögeln. "Unserem Empfinden nach haben die Probleme zugenommen, was sicherlich mit einer größer gewordenen Population zusammenhängt", sagt Franken. Zwar seien die Müllbehälter im Stadtgarten ausgetauscht worden, um den Krähen den Zugang zu Futterquellen zu erschweren, doch diese Maßnahme habe nicht den erhofften Erfolg gebracht.

Auch die Stadt Rees sehe eine Vergrämungsaktion als "einzig zulässiges Verfahren" an. Bei dieser Maßnahme werden die Bäume ausgeästet. Darüber hinaus wird mit Hilfe eines Hubsteigers der Versuch des Nestbaus unterbunden. "Diese Aktion darf aber nur im Herbst und nicht während der Brutzeit durchgeführt werden", sagt Jörn Franken. Ob damit im Herbst 2017 begonnen werden soll, lässt er offen, zumal es auch Gegenargumente gibt: "Eine Vergrämungsaktion ist sehr teuer und bindet enorm viel Personal, weil die Saatkrähe in der Lage ist, binnen weniger Tage neue Nester zu bauen." Jörn Franken beziffert die Kosten, die in Büderich innerhalb von drei Jahren entstanden, mit 45.000 Euro.

"Aus unserer Sicht stehen die Kosten einer Vergrämungsaktion in keinem Verhältnis zum Nutzen", sagt Jörn Franken. "Die Aktion könnte außerdem das Problem verlagern, weil die Vögel in hohe Bäume in der Nachbarschaft weiterziehen." Gutachten belegten, dass eine Vergrämung die Gesamt-Population innerhalb einer Stadt am Ende nur noch vergrößert. "Bestehende Kolonien spalten sich auf und die Tiere bilden neue Kolonien, was in der Summe zu mehr Saatkrähen führt", sagt Franken.

Im Internet macht sich eine Minderheit für den Verbleib der Saatkrähen am Stadtgarten stark: "Schandflecke sind Menschen, die ihren eigenen Lebensraum so schön wie möglich haben wollen und auf den Lebensraum der Tiere keinerlei Rücksicht nehmen", schreibt beispielsweise eine Kommentatorin und empfiehlt den Kritikern: "Dann läuft und parkt man halt mal woanders." Das Gros der Stimmen im Internet geht aber in eine andere Richtung: "Die Bäume sind so voller Nester, dass sie runterfallen und die Brut auf dem Bürgersteig liegt. Die Vogelscheiße ist der größte Schandfleck in der Stadt. Zudem wird sie in die Praxis und in die Apotheke geschleppt."

Auf diesen Missstand wies Dr. Ulrich Oschilewski bereits im Mai 2011 in einem Brief an die Rheinische Post hin: "Da ich meine Praxis am Stadtgarten habe, werde ich jeden Tag mit den negativen Mitbringseln dieser geschützten Art konfrontiert. Nicht nur die morgendlichen Rundflüge, die um fünf Uhr lautstark angemeldet werden und abends an den Hitchcock-Thriller ,Die Vögel' erinnern, sondern auch die massiven Ausscheidungen rund um die Praxis und den Park sind nicht mehr zumutbar", schrieb er und forderte schnelle Gegenmaßnahmen ein. "Da in unserer Gemeinschaftspraxis auch Asthmatiker und Allergiepatienten behandelt werden, ist es aus medizinischer Sicht nicht vertretbar, diese vorher und nachher durch diesen Mist zu schicken", betonte Dr. Oschilewski.

Kurz zuvor hatte die Stadt Rees tatsächlich einige Bäume beschneiden lassen und diverse Krähennester entfernt. Das führte zu einer Anzeige gegen die Stadt wegen Verstoßes gegen das Landschaftsschutzgesetz. Das Verfahren wurde später eingestellt.

Quelle: RP
 
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