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Emmerich
Schade: Koopmann hat geschlossen

Emmerich: Schade: Koopmann hat geschlossen
FOTO: DIANA ROOS
Emmerich. Eines der letzten inhabergeführten Geschäfte in Emmerich schließt nach 102 Jahren seine Pforten: die Café-Konditorei Koopmann an der Bahnhofstraße.

Die Blumen in den Vasen auf den mit gelben Mitteldecken belegten Tischen sind schon lange verblüht. Im Schaufenster verspricht ein Schild "bärenstarken Kaffee". Aber der wird in dem Café nicht mehr ausgeschenkt. In den Vitrinen der Konditorei ist das helle Gebäck vertrocknet. Es gibt auch keine belegten Brötchen zum Mitnehmen mehr. Café und Konditorei Koopmann an der Bahnhofstraße haben geschlossen. Und wie es aussieht für immer.

Wieder schließt damit ein inhabergeführtes Geschäft seine Pforten. In diesem Fall nach stolzen 102 Jahren!

Wohl zum ersten Mal seit der Eröffnung kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges bleibt der Ofen in der Backstube in der Adventszeit kalt, in der sonst ein geschäftiges Treiben herrschte. Keine Weihnachtsplätzchen werden gebacken, keine Weckmänner, keine Dominosteine, kein Weihnachtsduft.

"Wegen Krankheit geschlossen" - dieses Schild prangt schon seit einigen Wochen an der Ladentür. Wilhelm Christian Koopmann, Konditormeister und Geschäftsinhaber, ist erkrankt, er liegt im Krankenhaus, und es sieht nicht so aus, als ob er wieder in seiner Backstube knusprige Brötchen backen oder seine herrlichen Torten zubereiten würde. Jammerschade.

Das Café Koopmann, schräg gegenüber vom Bahnhof gelegen, der einstmals ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt war, wurde zu einer Zeit eröffnet, als noch Kaiser Wilhelm II. den Ton angab und diese Wohngegend zu den besseren in der Grenzstadt zählte.

Über viele Jahrzehnte florierte Koopmann. Das gemütliche und charmante Café hatte sein treues Stammpublikum, und es wurde viel Personal beschäftigt. Lange her. Zuletzt schmiss Willi Koopmann in dritter Generation den Laden in seinem Elternhaus zusammen mit Anne Sanders.

Die Eltenerin war so etwas wie eine Institution. Sie hielt ihrem Chef den Rücken frei, bediente, servierte und putzte, verkaufte Brötchen, Brote und Teilchen, setzte den Kaffee auf und war immer für ein launiges Schwätzchen gut.

Den Geschmack der Stammkunden kannte sie aus dem Eff-Eff. Kein Wunder: Die gelernte Bäckereifachverkäuferin heuerte schon 1978 bei Koopmanns an, gehörte längst zum Inventar. Vergangenheit.

Wie der berühmte Käsekuchen, die Cassis-Torte, die vor allem bei den niederländischen Kunden so gut ankam, und der gute, alte Tassenfilter.

Die Tortenbleche sind leer, ein Aufkleber erinnert noch an das 100-jährige Firmenjubiläum, das Ende 2013 begangen wurde.

(nk)
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