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Emmerich
Schaurig schöne Exponate im Museum

Emmerich: Schaurig schöne Exponate im Museum
FOTO: Konrad Flintrop
Emmerich. "Heilkunst" heißt die neue Ausstellung, die am Wochenende im Emmericher Rheinmuseum eröffnet wurde. Dr. Alice Selinger, bekannt von "Kindheit im Mittelalter", verdeutlicht bis zum 20. Dezember wie Medizin früher vonstatten ging.

Es ist eine bekannte Redewendung: "Frei von der Leber weg reden". Sie kommt aus dem Mittelalter und beschreibt das Organ, das aus damaliger Sicht für den Zorn stand. Mit freimütigem Reden könne man sich vom Groll, der ungesunden, weil angestauten Galle befreien. So steht's auf einer der vielen Schautafeln, die sich mit der mittelalterlichen Zeit und deren Heilkunst im Rheinmuseum bis zum 20. Dezember beschäftigen.

Frei von der Leber plauderte gestern Morgen die aus der Nähe von Frankfurt stammende Dr. Alice Selinger bei ihrer Ausstellungseröffnung. Dem ein oder anderen lief wohl bei den Ausführungen der Kunsthistorikerin schon ein kalter Schauer über die Schulter. Zum Beispiel als es um die Sehkraft der Augen ging: "Es stärkt das Auge gewaltig, wenn man die Augen einer Kröte entnimmt und sich um den Hals hängt." Oder etwa das Blut eines Katzenohres auf einem Stück Brot, das gegen Fieber helfen solle, sorgte für einen hohen Ekelgrad bei den Anwesenden.

Aber so war's halt im Mittelalter, in dem es stets fantasievolle Tipps fernab der heutigen Lehre gab. Neben Kräuterfrauen trieben vielfach "gewissenlose Quacksalber und Scharlatane ihr Unwesen", wusste Dr. Selinger. Nicht ohne darauf hinzuweisen, dass die Übermittlungen aus dieser Zeit eher aus den Kreisen der Königsfamilien und des Klerus stammen würden.

Doch die Macherin zahlreicher Ausstellungen, die sich alle mit dem Mittelalter beschäftigen, wollte wissen, wie es dem Gros, also 90 Prozent, der Menschen in dieser Zeit auch gesundheitlich erging.

Anschaulich mit nachgestellten Exponaten, etwa Knochensäge, Ausbrenneisen, Aloe oder Apotheken-Handwerkzeug und Tafeln wird die Heilkunst vergangener Jahrhunderte beschrieben. "Die Dreckapotheke hat's mir richtig angetan." Denn was besonders ekelig war, sollte immer wieder gut bei vielen Erkrankungen helfen.

Auch die Klostermedizin, die sehr oft in dieser Zeit vertreten war, durfte nicht fehlen. Schwerpunkte waren: Heilpflanzen, Diätetik, Prophylaxe und Krankenpflege. "Im frühen Mittelalter war der Kloster- oft auch Wundarzt und Apotheker in einer Person." Für die meisten Kranken spielten jedoch neben den Kräuterfrauen vor allem Bader, Barbiere und Scherer eine wichtige Rolle. "Bader ließen zur Ader, schröpften und führten kleinere chirurgische Eingriffe durch." Hingegen waren Barbiere, zu denen auch Frauen zählten, oft zugleich Zahnärzte. Viele versorgten die Landbevölkerung. Die Scherer arbeiteten fürs Militär und kümmerten sich um verwundete Soldaten auf dem Kriegsfeld.

"Da kann man mal sehen, wie gut es uns heute geht", hieß es abschließend von Museumsleiter Herbert Kleipaß. Ein Besuch der "Heilkunst bevor es die Krankenkassen gab" lohnt sich.

(dk)
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