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Emmerich
Schmiedeofen Heister seit 60 Jahren kalt

Emmerich. RP-Serie Kleine Museen: Paul Josef Heister, der Sohn des letzten Donsbrüggener Schmieds, würde eines Tages in seinem kleinen Museum an der Mehrer Straße gerne ein Schau-Schmieden anbieten. Vorerst ersetzt ein Film das Miterleben. Von Anja Settnik

Kleve Das typische Hämmern des Dorfschmieds erklingt heute allenfalls noch auf Brauchtumsfesten. Ein Handwerk, das früher fürs Landleben unverzichtbar war, weil es verschiedene Berufsstände mit den benötigten Geräten ausstattete und die Arbeitspferde buchstäblich am Laufen hielt, ist nahezu ausgestorben. Kunstschmiede gibt es noch hier und da, auch Hufschmiede, die mit ihrem Kleintransporter zu den Reitställen fahren - aber Männer, die Nägel, Spaten und Maueranker schmieden, lassen sich kaum mehr finden. Da ist es schön, dass Paul Josef Heister aus Donsbrüggen die Handwerkskunst seiner Vorfahren in Ehren hält und die "Alte Schmiede Heister" zu einem kleinen Museum umfunktioniert hat.

Dem Metall ist das Ehepaar treu geblieben - es handelt mit Metalldesign für Haus und Garten und hat dadurch einen Grund mehr, die Scheune samstags zu öffnen. Wenn sich jedoch Gruppen ansagen und nicht gerade eine Verkaufsausstellung ansteht, "gehört" der große Raum neben dem Wohnhaus den musealen Gegenständen. Die Esse ist noch vorhanden, wenn auch nicht zu betreiben, denn es gibt keinen Schornstein mehr. Gleich zwei Blasebalge erinnern an die Zeit, als noch ordentlich Wind gemacht wurde, um das Schmiedefeuer zu entfachen.

"Ich habe den Wunsch, dass es eines Tages wieder eine Aktiv-Schmiede wird. Im Schuppen wird das nicht möglich sein, aber vielleicht draußen unter einem Vordach", sagt Heister. Neben theoretischen Erläuterungen und der Präsentation von Geräten und Werkstücken wäre ein Schau-Schmieden für die Besucher sicherlich schön, meint der Sohn des letzten Donsbrüggener Schmieds.

Bis es soweit ist, unterstützt ein Film das Vorstellungsvermögen der Besucher. Das Volkskunde-Institut der Universität Mainz hat ihn produziert. Innerhalb von zehn Minuten ist darin zu erfahren, wie einst das Eisen geschmiedet wurde, damit Landwirte, Gärtner, viele andere Handwerker und überhaupt jedermann zu den benötigten Gerätschaften kam. "Manchmal besuchen uns auch Schlosser, mit denen ich dann schön fachsimpeln kann", erzählt Heister.

Sein Großvater Theo, von Grieth zugezogen, ließ sich die Schmiede (Wohnhaus und Werkstatt) 1912 erbauen und übergab sie 1948 später seinem Sohn Theo junior. Der wiederum hat nicht mehr lange an der Esse gestanden; schon 1955 war Schluss. "Die fortschreitende Technisierung führte bei uns wie überall sonst zum Niedergang des Schmiedehandwerks", weiß Heister. Die Brüder seines Großvaters betrieben übrigens ebenfalls Schmieden - in Rees-Empel und in Grieth.

Der heutige Museumsbetreiber hat dafür gesorgt, dass die ehemalige Schmiedeeinrichtung, ergänzt um interessante Teile, die er hinzugenommen hat, nicht in alle Winde zerstreut wird. Schmiedeofen, Amboss und Kesselblasebalg sind die unverzichtbaren Grundlagen des Handwerks, diverse Hämmer, Zangen und Meißel gehören ebenso dazu wie die Schmiede-Schürze. Auch das Beschlagen von Pferden ist im Museum natürlich ein wichtiges Thema. Vom Notstall, in dem das Tier für die Prozedur des Hufschneidens und Beschlagens festgesetzt wurde, bis zu Beispielen von Hufeisen für verschiedene Ansprüche gibt es viel zu sehen. Kontakt: Telefon 02821 28603.

Quelle: RP
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