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Rees
Schon seit 70 Jahren bei der IG Metall

Rees. Friedrich Ernst trat der Gewerkschaft direkt nach dem Zweiten Weltkrieg am 1. Januar 1946 bei. Jetzt erhielt der 87-Jährige als Anerkennung eine Ehrenurkunde.

Solch eine Auszeichnung überreicht Hans-Joachim Hebing, Erster Bevollmächtigter der IG Metal Bocholt, nicht jeden Tag. Für 70-jährige Mitgliedschaft in der Industrie-Gewerkschaft, wie es ausgeschrieben heißt, bekam Friedrich Ernst jetzt in seinem Haus in Millingen die Ehrenurkunde überreicht. "Verdient hat er sie auf jeden Fall", freute sich auch Hebing.

Der Jubilar übrigens auch. Der gebürtige Emmericher hatte schon als 13-jähriger Bub eine Lehre als Maschinenschlosser bei Probat begonnen. 20 Jungs hätten sich damals um die Stellen in dem Unternehmen beworben. Er bekam eine. "Unser Kindermädchen, das bei Probat im Büro gearbeitet hatte, hat da bestimmt die Finger im Spiel gehabt", sagt der alte Mann lächelnd.

Doch wegen des Krieges musste er Emmerich in Richtung Eifel verlassen und lebte nach seiner Rückkehr, weil die Emmericher Wohnung ausgebombt war, mit seinen Eltern in Millingen. Seine Lehre beendete er bei der Isselburger Hütte. "Da bin ich auch geblieben, bis zum Vorruhestand 1988", erinnert er sich noch gut an die Zeit.

"Das war da schon richtige Knochenarbeit", erzählt Friedrich Ernst aus seinem schweren Berufsleben. Geschweißt habe er später viel, musste auch mal auf Montage, wenn Reparaturen nötig waren, auch in Bergwerken und Kupferhütten. "Damals haben wir sogar Leuchttürme gebaut", sagt der Jubilar nicht ohne Stolz auf seinen damaligen Arbeitsplatz. Das sei schon eine tolle Firma gewesen. "Wobei die immer noch ganz schön hart ran müssen", weiß Friedrich Ernst über das nicht ganz einfache Los vieler heutiger Kollegen.

Zur Firma, für die er 43 Jahre tätig war und die knapp zehn Kilometer von seinem Haus entfernt liegt, hat er keinen Kontakt mehr. "Aber ich verfolge natürlich, was in der Zeitung steht", sagt der Vater von drei Töchtern und sechs Enkelkindern.

Noch länger als in der IG Metall ist Friedrich Ernst übrigens in der Feuerwehr. "Nämlich 72 Jahre", betont er. Schon 1943, also während des Krieges, sei er der Wehr in Emmerich beigetreten. Bei den Löschmännern in Millingen ist er selbstverständlich Ehrenmitglied.

Überhaupt schlägt sein Herz für die Heimat, besonders für Millingen. Dass der leidenschaftliche Briefmarkensammler Mitglied im örtlichen Heimatverein Millingen-Empel ist, versteht sich da von selbst. Ernst: "Den habe ich auch mit begründet."

Manchmal, erzählt er, nehme er auch noch an Sitzungen des Heimatvereins teil. "Wenn's passt". Wobei der 1928 geborene Jubilar immer noch gerne aufs Rad steigt, sogar regelmäßig. "Ich radel' jeden Morgen fünf Kilometer, nachmittags auch", verrät er. Also ganz wie früher. Da ist Friedrich Ernst auch täglich mit dem Rad unterwegs gewesen - zur Isselburger Hütte.

(rey)
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