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Rees
Schwimmclub macht fürs Freibad mobil

Rees: Schwimmclub macht fürs Freibad mobil
Gut gefüllt war das Kolpinghaus am Mittwochabend. Auf dem Podium (v.l.): Heinz Schneider (FDP), der Reeser Kreistagsabgeordnete Robert Klinkhammer (CDU), Helmut Wesser (Grüne), Peter Friedmann (SPD), Bürgermeister Christoph Gerwers und Dieter Karczewski (CDU). FOTO: markus van offern
Rees. Bei der Kolping-Diskussionsrunde "Bürger Fragen, Politiker antworten" am Mittwochabend war die beabsichtigte Schließung des Reeser Freibades das beherrschende Thema. Ein Naturbad als Alternative stieß auf wenig Gegenliebe. Von Michael Scholten

Der Reeser Schwimm-Club hatte seine Mitglieder aufgefordert, ins Kolpinghaus zu kommen und für den Erhalt des Reeser Freibads zu kämpfen. Entsprechend voll war der Saal, in dem Moderator Helmut Böing vor mehr als 120 Zuhörern den Diskussionsabend der Kolpingfamilie mit Bürgermeister Christoph Gerwers, den Fraktionsvorsitzenden von CDU, SPD, Grünen und FDP sowie dem Reeser Kreistagsabgeordnetem Robert Klinkhammer (CDU) eröffnete.

"An der Schließung des Freibads führt kein Weg vorbei", betonte der Bürgermeister. Technik und Substanz des 1964 erbauten Bades seien marode. Um es im Sommer 2017 öffnen zu dürfen, müssten sofort bis zu 200.000 Euro investiert werden, pro Jahr wären weitere 150.000 Euro nötig. Angesichts geringer Besucherzahlen und niedriger Eintrittspreise sei das nicht zu stemmen, zumal Rees das Haushaltsjahr mit einem Defizit von 2,8 Millionen Euro abschließen werde und kurz vor der Haushaltssicherung stehe. Sollte irgendwann der Kreis die Entscheidungen für Rees treffen, erklärte Christoph Gerwers, würden freiwillige Leistungen wie das Freibad und auch das Stadtbad der Vergangenheit angehören.

Als "Ersatzangebot" empfahl Gerwers, das Stadtbad ganzjährig zu öffnen und mit der Liegewiese des Freibads zu verknüpfen. In diesem Fall müssten Außenduschen und Durchschreitebecken gebaut werden. Über den Tag verteilt könnten dann bis zu 400 Besucher das Bad nutzen. Einige Zuhörer hielten dagegen, die Zahl der Umkleidekabinen reiche dafür nicht aus und auch die Filteranlage sei nicht auf zusätzliche Belastungen des Wassers durch Sand und Sonnencreme ausgerichtet.

"Rees ohne Freibad geht aus unserer Sicht gar nicht", erklärte der SPD-Fraktionsvorsitzende Peter Friedmann und erhielt den ersten Zwischenapplaus des Abends. Er forderte ein schlüssiges Konzept, wie das Freibad erhalten oder neugebaut werden könne. Der FDP-Fraktionsvorsitzende Heinz Schneider kritisierte den "desolaten Zustand" des Freibads, den er und andere Ratsmitglieder jüngst bei einem Ortstermin sahen. Grünen-Chef Helmut Wesser forderte einen Erhalt des Freibads, bis die Stadt den Schwimmern eine Alternative bieten kann.

Die vom Stadtrat favorisierte Lösung, das Reeser Meer mit Hilfe eines noch zu findenden Investors zum Strandbad zu machen, stieß beim Publikum im Kolpinghaus auf wenig Gegenliebe. Eine Zuhörerin verwies auf andere Naturbäder, die auch den Reesern schon in der Region zur Verfügung stehen. Diese würden von Jugendlichen genutzt, denen das Reeser Freibad nicht mehr attraktiv genug sei. Für kleine Kinder und junge Familien gebe es aber keine echte Alternative zum Freibad. Ein anderer Zuhörer sorgte sich um die Wasserqualität im Reeser Meer, da viele Landwirte auf den benachbarten Feldern Gülle verteilen. Laut Bürgermeister Gerwers ist ein Strandbad am Reeser Meer keine "schnelle Lösung", da ein Genehmigungsverfahren fünf bis sechs Jahre dauert und sich bislang kein interessierter Investor bei der Stadt gemeldet hat.

Die Kosten für ein neues Freibad bezifferte Gerwers mit "zwei bis 4,5 Millionen Euro", eine Summe, die Rees nicht aufbringen könne, zumal bald drei Millionen Euro in die Renovierung der Dreifachsporthalle am Westring investiert werden. "Wir müssen Prioritäten setzen", sagte CDU-Fraktionschef Dieter Karczewski. Die von Schulen und Vereinen genutzte Dreifachturnhalle, in der auch Turniere stattfinden, sei aktuell wichtiger als ein neues Freibad, zumal Rees gerade ein neues Hallenbad bekommen habe.

Bürgermeister Gerwers betonte, dass es frühestens am 20. Dezember einen Ratsbeschluss zur Zukunft des Freibads geben werde. Sollte sich der Rat für einen Erhalt oder gar Neubau entscheiden, sei eine Erhöhung von Steuern und Eintrittspreisen kaum zu vermeiden. "Tageskarten von drei Euro sind dann nicht mehr finanzierbar. Im Grunde müsste jede Karte 13 Euro kosten, weil wir aktuell jeden Badegast mit zehn Euro subventionieren."

Quelle: RP
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