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Emmerich
Sicherheitsdebatte nach Chemiealarm

Explosionsgefahr am Emmericher Bahnhof
Explosionsgefahr am Emmericher Bahnhof FOTO: Stade, Klaus-Dieter
Emmerich. Dienstagabend Explosionswarnung am Bahnhof. 150 Helfer im Einsatz. Internet-Nutzer wundern sich über Lokführerin. Von Christian Hagemann

Der Tag nach dem Ausnahmezustand am Bahnhof: Im Internet und bei Facebook rätseln zahlreiche User, wie die Lokführerin den Geruch von Styrol bei voller Fahrt wahrnehmen konnte. Gestern Morgen klärte die Pressestelle der Bundespolizei die Sache auf. "Die Lokführerin sollte den Zug im Bahnhof Emmerich übernehmen. Beim Abschreiten des Zuges im Bahnhof bemerkte sie den chemischen Geruch." Der Zug befand sich also nicht in voller Fahrt, wie es am Dienstagabend vor Ort zunächst geheißen hatte.

Nachdem die Lokführerin den Geruch bemerkt hatte, informierte sie die Notfallleitstelle der Bahn in Duisburg. Diese wiederum informierte kurze Zeit später, um 19.25 Uhr, die Bundespolizei. Die rückte aus, bat die Reisenden am Bahnhof das Gelände zu verlassen. Gleichzeitig sperrte die Landespolizei den Bahnhof ab. Die Feuerwehr rückte an, der Malteser Hilfsdienst war vor Ort, Rettungsfahrzeuge standen bereit. Insgesamt waren 150 Helfer im Einsatz.

Der ABC-Trupp der Feuerwehr in Kalkar war es schließlich, der die Untersuchungen im Bahnhof vornahm. Mit einem Messgerät versuchten die Fachleute festzustellen, wo und ob es ein Leck an dem Kesselwagen gab.

Die Sorge war mehr als berechtigt: Styrol (auch Vinylbenzol oder Styren) ist entzündlich und gesundheitsschädlich. Es ist ein wichtiger Bestandteil zur Herstellung von Kunststoffen.

Nach mehreren Untersuchungen war klar: Es gibt keine nachweisbare Substanz am Bahnhof mehr. Möglicherweise, so eine Vermutung, ist die Chemie aus einem Überdruckventil entwichen. Die Lokführerin klagte über Übelkeit, nachdem sie den Geruch bemerkt hatte. Sie wurde in das Emmericher Krankenhaus gebracht. Gegen 22.40 Uhr gab die Bundespolizei den Bahnhof wieder frei.

Der Zug war vom Betreiber Rurtalbahn und wurde nach Wesel in den dortigen Bahnhof gebracht. Dort übernahm ein anderer Lokführer die Fahrt. Der Zug kam von Rotterdam und war unterwegs in Richtung Guben und von dort weiter nach Polen.

Der Vorfall hat in Emmerich die Debatte über die Sicherheit an der Betuwelinie neu entfacht. Bekanntlich sind die Anliegerstädte mit dem Sicherheitskonzept der Bahn nicht einverstanden. Die Feuerwehren von Emmerich über Wesel bis Oberhausen haben der Bahn einen Anforderungskatalog für die Strecke vorgelegt. Nach Veröffentlichung der Sicherheitsrichtlinie des Eisenbahnbundesamtes zeigen sich erhebliche Differenzen zwischen den Notwendigkeiten vor Ort und den Vorstellungen der Bahn. Es gibt Kritik an den Sicherheitsstandards auf der Betuwe-Route. Fachleute befürchten, dass die Rettungskräfte bei einem Unglücksfall nicht vernünftig an die Strecke kommen, wenn meterhohe Lärmschutzwände stehen. Ein Problem ist auch die Löschwasserversorgung.

Bürgermeister Johannes Diks war am Dienstagabend am Bahnhof. Nach der Entwarnung verkündete er per Facebook: "Entwarnung für alle besorgten Einwohner. Der Einsatz auf dem Emmericher Bahnhof ist beendet."

Quelle: RP
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