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Rees
Sie weiß, wo der Schuh drückt

Rees: Sie weiß, wo der Schuh drückt
Christiane Brandscheid und Laurent Becker FOTO: Markus van Offern
Rees. Seit drei Jahrzehnten arbeitet Christiane Brandscheid im Reeser Schuhhaus Becker. Von Michael Scholten

Die Karriereplanung begann 1986 auf der Reeser Pumpenkirmes. Christiane Brandscheid, damals 18 Jahre alt und frischgebackene Gesellin mit abgeschlossener Lehre in einem Halderner Modehaus, erfuhr in lockerer Kirmesatmosphäre von einer frei werdenden Stelle im Schuhhaus Becker. Schnell schaute sie in der Fallstraße vorbei. Schuhmachermeister Anton Becker und seine Frau Heidi stellten die junge Frau zum 1. Oktober 1986 ein.

Am morgigen Samstag feiert Christiane Brandscheid ihre 30-jährige Zugehörigkeit zum Familienbetrieb. Nur ihre Kollegin Ulla List ist schon ein Jahr länger als sie dabei. "Unser Team besteht aus zwölf Personen, die gemeinsam auf 162 Arbeitsjahre im Schuhhaus Becker und entsprechend viel Erfahrung zurückblicken", sagt Laurent Becker, der den Betrieb im Jahr 2002 in dritter Generation übernahm. Seine Frau Doris Becker-Palowski führt die Treue aller Mitarbeiter auf das familiäre Arbeitsklima zurück.

Davon kann auch Christiane Brandscheid ein Lied singen. Gern erinnert sie sich an "Oma Sophie", die am liebsten im Ohrensessel in der Küche saß und das Geschehen im angrenzenden Laden beobachtete. "Als ich hier anfing, fragte sie mich, ob ich Reeserin und katholisch bin", erinnert sich die Jubilarin. "Dass ich Ur-Reeserin bin, gefiel ihr, dass ich evangelisch bin, kommentierte sie mit den Worten: Ist ja nicht so schlimm." Sophie Becker war es auch, die sofort einen Schnaps bereithielt, als Christiane Brandscheid in ihren ersten Arbeitsjahren ein denkwürdiges Missgeschick passierte: "Ich wollte das Schaufenster dekorieren, als plötzlich der Boden unter meinen Füßen wegbrach und ich durch die Glasscheibe auf den Bürgersteig fiel." Sie zog sich eine Prellung, aber zum Glück keine Schnittwunden zu. Sophie Becker empfahl einen hochprozentigen Schnaps und den sofortigen Gang zum Arzt. "Dort war das zersplitterte Schaufenster schon Gesprächsthema und man erzählte sich, bei Becker sei bestimmt eingebrochen worden", sagt Christiane Brandscheid und fügt lachend hinzu: "Ich konnte richtigstellen, dass ich vielmehr ausbrechen wollte."

Der tägliche Aufgabenbereich hat sich in 30 Jahren stark geändert: "Früher war ich vor allem Verkäuferin, dann kam immer mehr Technik und Papierarbeit hinzu", sagt die Jubilarin. Das lag nicht zuletzt daran, dass der orthopädische Bereich unter Schuhmachermeister Laurent Becker immer weiter ausgebaut wurde und 2006 eine neue Filiale in Haldern hinzukam. Geblieben sind die Stammkunden. "Einigen habe ich früher Kinderschuhe verkauft und berate sie heute beim Kauf von High Heels, oder aber sie kommen jetzt mit ihren eigenen Kindern zu uns ins Geschäft, was mich besonders freut", sagt Christiane Brandscheid.

Ihren eigenen Schuhstil beschreibt sie als "sportlich, bequem". Da sie Einlagen tragen muss, freut sie sich umso mehr, dass das Angebot für ihre Zielgruppe in den vergangenen Jahren viel größer und modischer geworden ist. "Richtige Oma-Schuhe gibt es heute kaum noch", weiß sie. Das bestätigt auch ihr Chef Laurent Becker: "Es gibt heute ja quasi keine alten Leute mehr. Sie sind bis ins hohe Alter jung und aktiv, weshalb sich auch die Industrie mit ihrem Schuhangebot darauf eingestellt hat."

Und mit dem richtigen Schuhwerk, da ist sich Christiane Brandscheid sicher, wird sie noch viele Jahre im Schuhhaus Becker stehen und die Kunden beraten.

Quelle: RP
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