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Rees
"Sparen auf Kosten der Jugendlichen"

Rees: "Sparen auf Kosten der Jugendlichen"
Ausbildungscoach Klaus Lanzerath FOTO: van Offern, Markus (mvo)
Rees. Ausbildungscoach Klaus Lanzerath kritisiert zunehmende Bürokratie bei der Vergabe von Langzeitpraktika. Von Michael Scholten

Klaus Lanzerath ist wütend und enttäuscht: "Da wird auf Kosten unserer Jugendlichen brutal gespart!" Als externer Ausbildungs-Coach für Fördereinrichtungen im Kreis Kleve, darunter auch die jüngst geschlossene Anne-Frank-Schule, ist er bemüht, lernschwachen Jugendlichen ein Langzeit-Praktikum zu vermitteln, weil dieses erfahrungsgemäß zu einer Ausbildungsstelle im selben Betrieb und im Idealfall zu einem späteren Arbeitsplatz führt. Bislang fanden sich in der Regel auch Unternehmen in Rees und Umgebung, die Jugendlichen einen Praktikumsplatz geben wollten. Eine neue Gesetzgebung sieht aber vor, dass jeder Maßnahmen-Träger europaweit ausgeschrieben werden muss, bevor eine Entscheidung fallen darf.

"Dadurch geht viel wichtige Zeit verloren, Jugendliche und ihre Eltern warten lang und zum Teil vergeblich auf eine positive Nachricht", sagt Lanzerath. Zwar konnte Stefan Schapfeld, Team-Leiter bei der Agentur für Arbeit in Wesel, vor wenigen Tagen zusagen, dass ein Schüler der Anne-Frank-Schule sein Praktikum und danach gegebenenfalls auch seine Ausbildung zum Industrie-Mechaniker bei einem Reeser Betrieb beginnen darf, doch für Lanzerath ist damit das Problem nicht aus der Welt geschafft: "Das Verfahren, jede Maßnahme europaweit ausschreiben zu müssen, ist offenbar sehr aufwendig und zeitraubend. Der Jugendliche, um den es geht, hat sich schon im Februar auf ein Angebot der Agentur für Arbeit beworben. Damals hieß der Träger noch TBH in Kleve. Auf dieser Grundlage haben wir mit dem Reeser Unternehmen verhandelt, bis wir im Mai erfuhren, dass sich die Maßnahme noch in der Ausschreibung befindet. Erst jetzt kommt die Zusage."

Lanzerath betont, dass sich seine Kritik nicht gegen die Mitarbeiter des REHA-Bereichs der Agentur für Arbeit richtet: "Die leisten großartige Arbeit und leiden bestimmt genauso unter der Bürokratie wie die Jugendlichen und deren Familien." Der 59-Jährige weiß, dass auch viele Lehrer das neue Verfahren kritisieren. "Im Gegensatz zu mir dürfen sie aber dazu öffentlich keine Stellung nehmen", sagt Klaus Lanzerath, der sich auch über andere neue Vorgaben ärgert: "Für andere Schüler war ein Berufsorientierungsjahr vorgesehen, doch nach den Anmeldungen bei den Berufskollegs stellte sich heraus, dass es solch ein Angebot gar nicht mehr gibt und dass es nun durch ein anderes Angebot, das nicht mehr bereichsorientiert ist, ersetzt werden soll."

Aus Spargründen würden viele Möglichkeiten abgeschafft, die gerade bildungsschwachen Jugendlichen eine Perspektive bieten sollten. So endete etwa kürzlich der Versuch, eine theoriereduzierte Ausbildung zum Service-Mechaniker-KFZ anzubieten. Laut Bundesinstitut für berufliche Bildung wird dieser Beruf aber nicht mehr benötigt. Die Handwerkskammern dürfen entsprechende Ausbildungsverträge nicht mehr eintragen.

Quelle: RP
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