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Spörkel: "Die Gemeinde trägt mich"

Rees: Spörkel: "Die Gemeinde trägt mich"
Hans-Gerd Spörkel am Altar. Nachdem er sich bereits der Gemeinde erklärt hatte, bezog er am Mittwoch auch bei einem Pressegespräch Stellung zu seiner neuen Identität. FOTO: RPO
Rees. Auch in Wachtendonk gab es eine evangelische Pastorin, die zuvor ein Mann war. Sie musste mit Anfeindungen leben. Befürchtungen, dass sich Ähnliches im Lindendorf abspielen könnte, hat der Halderner Pfarrer Hans-Gerd Spörkel jedoch nicht. Von Markus Balser

Das öffentliche Bekenntnis von Pfarrer Hans-Gerd Spörkel, künftig als Frau leben zu wollen, hat vielen Gemeindegliedern in der evangelischen Kirchengemeinde Haldern Respekt abgenötigt. Wie berichtet, hatte der beliebte Pastor lange mit sich gerungen, sogar einen Zusammenbruch erlitten und war ein halbes Jahr außer Dienst.

Am Mittwoch war er dann zusammen mit Superintendet Dieter Schütte und Udo Windgaß, stellvertretender Vorsitzender des Presbyteriums, in einer Pressekonferenz vor die Öffentlichkeit getreten und hatte sich erklärt. Schon Tage zuvor hatte Pfarrer Spörkel bereits die Gemeinde informiert, die seine Ausführungen mit lang anhaltendem Beifall quittierte.

Einige Freunde hatten Hans-Gerd Spörkel dazu raten wollen, eine andere Gemeinde zu übernehmen. Vielleicht auch aus Erfahrungen heraus, die in Wachtendonk bei Geldern vor einigen Jahren Schlagzeilen machten. Dort hatte Karin Kammann zeitweise sogar für bundesweites Medieninteresse gesorgt. Die evangelische Pastorin im Ehrenamt hatte bis 1988 als Mann gelebt und sich dann einer Geschlechtsumwandlung unterzogen.

Sie war auch als Politikerin tätig. Als sie um das Amt des Bürgermeisters antreten wollte, sah sie sich anonymen Anfeindungen ausgesetzt, die auf ihre Entscheidung, als Frau leben zu wollen, abzielten.

Im Jahr 2006 war sie dann in Streit mit der evangelischen Landeskirche geraten. Weil sie sich nicht auf eine Pfarrstelle in Uedem bewerben durfte, fühlte sie sich diskriminiert. Der Konflikt eskalierte, schließlich bekam sie die Ordinationsrechte entzogen.

Pfarrer Spörkel sieht in diesem Fall jedoch nur wenige Parallelen zu seiner eigenen Geschichte: "Ich habe bisher keine negative Reaktionen bekommen. Im Presbyterium und in der Landeskirche ist meine Entscheidung auf Akzeptanz gestoßen. Und auch in der Gemeinde gab es zwar manchmal kritische und sorgende, aber überwiegend doch positive Reaktionen. Dass es so viel Verständnis durch alle Altersgruppen hinweg gab, hat mich überrascht und auch sehr berührt." Spörkel führt dies darauf zurück, dass man "nicht mit der Tür ins Haus gefallen" sei, die Entscheidung schrittweise und gemeinsam und vor allem transparent kommunizierte.

Ängste, sich zu "outen", waren vorhanden, räumt Spörkel ein. Furcht vor Anfeindungen hat er jedoch nicht. "Ein paar Ängste sind sicher immer noch da. Aber es kommt vielleicht auch darauf an, wie man in einen Wald hineinruft. Ich fühle mich bis jetzt jedenfalls von der Gemeinde getragen."

Weil das Thema "Transgender" bei vielen Menschen Verwirrung auslöst, betont Spörkel, dass es bei ihm weniger um eine Geschlechter- als um eine Identifikationsfrage gehe. Wie es persönlich mit ihm nun auf dem Weg zur Frau weitergeht, vermag Spörkel derzeit selbst noch nicht zu sagen. Eine Namensänderung sei nicht geplant, sollte es weitergehende Schritte geben, werde dies jedoch mit der Gemeinde kommuniziert.

Jetzt will sich Spörkel vor allem wieder auf die Aufgaben als Pfarrer konzentrieren: "Ich muss jetzt mit beiden Beinen ankommen und möchte erst einmal wieder in Ruhe arbeiten. Alles andere ist sekundär."

Quelle: RP
 
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