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Rees
Spörkel in Schwesig-Broschüre

Rees: Spörkel in Schwesig-Broschüre
"Hier stehe ich und kann und darf auch anders", lautet ein Satz von Elke Spörkel. FOTO: MArkus van ofern
Rees. Hans-Gerd Spörkel hat vor vier Jahren der evangelischen Gemeinde in Haldern mitgeteilt, dass er im Zuge einer Geschlechtsveränderung nun rein rechtlich eine Frau sei. Jetzt wird er vom Bundesministerium als Beispiel genannt. Von Michael Scholten

Aus Anlass des Reformationsjahres 2017 hat die Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität die Broschüre "Trans* und Reformation" herausgegeben und einen fünfminütigen Werbespot produziert. Beide wurden jetzt in Berlin auf dem Demokratie-Kongress des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend vorgestellt und sind auf der Internetseite www.tur2017.de zu sehen. Darin kommen prominente Kirchenvertreter zu Wort, aber auch transsexuelle und transidente Interviewpartner, darunter Halderns ehemalige Pfarrerin Elke Spörkel. Ihr Interview nimmt fünf Seiten in der Broschüre ein.

"Ich habe mich sehr bewusst entschieden, in die Öffentlichkeit zu gehen, weil ich glaube, dass auch eine gewisse Lobbyarbeit notwendig ist für Menschen, die anders sind", wird Elke Spörkel zitiert. Diese Meinung teilt auch Bundesministerin Manuele Schwesig, deren Ministerium das Projekt gefördert hat. Sie schreibt im Vorwort: "Reformation hat Erneuerung und gesellschaftlichen Wandel gebracht. Für transsexuelle/transidente Menschen ist dieser Wandel noch längst nicht abgeschlossen."

Petra Weitzel von der Deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität nahm 2016 Kontakt zu Elke Spörkel auf, nachdem ihre Geschlechts- und Personenstandsveränderung bundesweit in den Medien thematisiert worden war. Weitzel lobt die bedachte Wortwahl der Interviewpartnerin aus Haldern.

So stamme der zentrale Satz des Werbefilms aus Elke Spörkels Mund: "Das Lutherjahr ist für mich ganz wichtig. Denn Luther hat gesagt, man ist frei in allen Dingen und niemand untertan. Und ich würde Luther um eine Sache ergänzen: Hier stehe ich und kann und darf auch anders."

Im Gespräch mit der Rheinischen Post hebt Elke Spörkel die "Hochkaräter" aus Kirchenkreisen hervor, die in ihren Interviews mit den Filmemacherinnen Asta Dittes und Anne Scheschonk mehr Toleranz für transsexuelle und transidente Menschen forderten. Dazu gehört der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider. Er sagte: "Ich wünsche mir, dass in der Kirche die Wertschätzung eines Menschen nicht von seiner sexuellen Orientierung und Geschlechtsidentität abhängig ist." Volker Jung, Präsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, ergänzte: "Gott sieht den ganzen Menschen. Ich halte nicht viel davon, Körper und Seele zu trennen."

Im Interview, das im Oktober 2016 in einem Berliner Fernsehstudio gefilmt wurde, erzählte Elke Spörkel von der Anerkennung und Ablehnung in ihrer Halderner Gemeinde: "Viele Menschen haben mir Mut gemacht, den Rücken gestärkt, sind mit mir gegangen. (...) Aber es haben sich auch Menschen abgewendet. Menschen sind zum Teil nicht mehr in meine Gottesdienste gekommen, weil ich einfach anders aussah und anders wirkte. (...) Das tat weh, es war nicht so ganz einfach, das immer zu verarbeiten. Insgesamt war es aber eine gute Zeit. Jetzt inzwischen hat das Leitungsorgan meiner Kirchengemeinde gesagt, dass das doch eine zu große Zumutung war und man hat die Entscheidung getroffen, nicht mehr mit mir weiter zusammenarbeiten. Zum Glück darf ich weiter in der Kirche arbeiten."

Zum 31. Dezember 2016 endete nach fast 30 Jahren die Amtszeit von Pfarrerin Elke Spörkel in Haldern. Seither ist sie in der Seelsorge in drei evangelischen Altenheimen im Kreis Wesel tätig und führt die Krankenhausseelsorge im Willibrord-Spital Emmerich fort. Dass der Kirchenkreis und Spörkel selbst auf einen Abschiedsgottesdienst verzichteten, machte deutlich, dass es sich nur um eine Kompromisslösung handelte. Doch im Interview mit der Deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität zeigt sich Elke Spörkel optimistisch: "Zum Glück habe ich Menschen, die mir uneingeschränkt zur Seite stehen. Ich habe eine tolle Partnerin, es gibt meine sieben Kinder, die zu mir stehen. Es gibt ein tolles Umfeld von Freunden und Freundinnen. Insofern ist es auch gut, weiter zu arbeiten. Es gibt eine evangelische Kirche, in der es Menschen gibt, die sagen, dass sie Menschen wie mich brauchen, gebrauchen können. Und das tut gut."

Quelle: RP
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