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Emmerich sagt Fußball-Titelkämpfe ab

Lokalsport: Emmerich sagt Fußball-Titelkämpfe ab
Zuschauermagnet Emmericher Fußball-Stadtmeisterschaft: In der Regel kommen mehr als 2000 Zuschauer zu den Turnieren. FOTO: Klaus Janssen
Emmerich. Stadtmeisterschaft kann nicht in der Hansahalle stattfinden, weil dort Flüchtlinge untergebracht sind. Eine Alternative gibt es nicht. Deshalb entschieden der Stadtsportbund und Ausrichter RSV Praest, die Titelkämpfe ausfallen zu lassen. Von Joachim Schwenk

Die Entscheidung fiel im Gespräch zwischen dem Stadtsportbund Emmerich und dem Vorstand des RSV Praest relativ schnell. Denn die Fakten, die auf dem Tisch lagen, waren zu eindeutig. Den Funktionären blieb keine andere Wahl, als die Fußball-Stadtmeisterschaften abzusagen, die Jahr für Jahr mit weit mehr als 2000 Besuchern der große Zuschauermagnet im Emmericher Sport sind. Der RSV sollte die Titelkämpfe für Senioren, den Nachwuchs und die Altherren am 23. Dezember sowie vom 27. bis 30. Dezember in der Hansahalle ausrichten. Das geht nicht, weil die Halle als Notunterkunft für Flüchtlinge noch einige Zeit benötigt wird. Eine Alternative gibt es nicht. Das haben der Stadtsportbund und der RSV ausgelotet.

"Wir bedauern diese Entwicklung sehr. Doch uns blieb keine andere Wahl", sagt Rüdiger Helmich, Vorsitzender des Stadtsportbundes. Er hofft, dass die Fußball-Fans in der Stadt Verständnis für diese Entscheidung aufbringen. Als "sehr, sehr schade" bezeichnete Roland Kock, Trainer des RSV Praest, die Absage. "Die Stadtmeisterschaft wird seit Jahren sehr gut angenommen. Sie ist zweifelsohne ein Highlight im Emmericher Sportgeschehen." Der Verein hatte die Planung für die Titelkämpfe schon stehen. "Es ist natürlich bitter, dass die Stadtmeisterschaft in diesem Jahr ausfällt. Doch wir waren uns einig, dass die Titelkämpfe nur in der Hansahalle stattfinden können", sagt RSV-Vorsitzender Michael Kühn.

Der Stadtsportbund und der RSV hatten zuvor mehrere Alternativen durchgespielt. Die Verlegung der Turniere in eine Halle in den Niederlanden scheiterte dabei schon an den zu hohen Mietkosten. Die Halle am Westring in Rees kam als Alternativ-Standort ebenfalls nicht infrage. "Das hätte keinen Sinn gemacht, weil nicht damit zu rechnen ist, dass genügend Zuschauer nach Rees gekommen wären", sagt Helmich. Schließlich sollen die Titelkämpfe für den Ausrichter ja nicht zu einem Zuschussgeschäft werden.

"Die Organisation der Stadtmeisterschaft ist mit sehr viel Arbeit verbunden. Dafür müssen unter dem Strich für den Verein schon ein paar Euro übrig bleiben. Und das geht nur, wenn die Zuschauerzahlen stimmen", meint Michael Kühn. Er geht davon aus, dass der RSV Praest jetzt Ausrichter der Titelkämpfe im kommenden Jahr sein wird. "Wir können ja nicht für eine Situation bestraft werden, die wir nicht verschuldet haben."

Der Stadtsportbund und der Verein verwarfen auch den Vorschlag, die Titelkämpfe auf Kunstrasen beim SV Vrasselt zu veranstalten. "Eine Hallenmeisterschaft kann man nicht einfach auf dem Feld durchführen. Außerdem wären die Witterungsbedingungen überhaupt nicht kalkulierbar gewesen", sagt Helmich. Kein Thema war es, nur einige Turniere für den Nachwuchs durchzuführen. Auch dies sei, so Helmich, nicht möglich, weil die in Emmerich zur Verfügung stehenden Hallen nicht groß genug sind. "Und wir müssten ja wenigstens den Eltern der Kinder, die um den Titel spielen, die Chance geben, als Zuschauer dabei zu sein", sagt der Chef des Stadtsportbundes.

Somit bleibe, so Helmich, nur die Hoffnung, dass die Titelkämpfe 2016 wieder stattfinden können, weil es dann nicht mehr notwendig sei, Flüchtlinge in der Hansahalle unterzubringen. Erst einmal muss sich der Emmericher Sport aber damit abfinden, dass die größte Halle der Stadt wohl noch einige Monate nicht genutzt werden kann. Helmich: "Und wir können ja schlecht unsere Kinder in der Halle Fußball spielen lassen und die Flüchtlingskinder liegen auf der Straße."

Quelle: RP
 
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