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Reitsport
Gekonnte Akrobatik auf dem Pferde-Rücken

Niederrhein. Der Verein für Voltigiersport Kalkar veranstaltete in der Halle des Reitzentrums Wissel ein zweitägiges Sichtungsturnier. Von Per Feldberg

Vor dem Auftritt der vierten Mannschaft des Vereins für Voltigiersport (VVS) Kalkar bittet Hallensprecherin Lucina Walter die zahlreichen Zuschauer in der Halle des Reitzentrums in Wissel, auf den rhythmischen Applaus beim Einmarsch zu verzichten. Denn Climax, das neun Jahre alte Pferd der Mannschaft, bestreitet bei diesem zweitägigen Sichtungsturnier erst seinen zweiten Wettkampf. Und dass das Voltigierpferd an der Lounge von Laura Gendritzki noch ein wenig nervös ist, zeigen die ersten Runden im Zirkel. Doch dann finden Longenführerin und Climax ihren Rhythmus - die Pflichtübung kann beginnen.

Abwechselnd absolvieren die sechs jungen Nachwuchsvoltigiererinnen im Alter zwischen zehn und 15 Jahren ihre Pflichtfiguren auf dem galoppierenden Climax. Nicht alles läuft nach Plan, doch die hohe Konzentration ist allen Beteiligten anzumerken. Allein auf den Rücken des 1,71 Meter großen Pferdes zu gelangen, ist für die Mädchen schon eine akrobatische Leistung. Die anschließenden Übungen bis hin zum Stand erfordern ebenfalls ein hohes Maß an Körperbeherrschung, Akrobatik und Rhythmusgefühl.

Dies wird besonders in der Kür, die das Team rund eine Stunde später absolvieren muss, deutlich. Bis zu drei Voltigiererinnen gleichzeitig zeigen auf dem Rücken des Pferdes ihre Übungen. Dabei ist auch zu sehen, dass es sich um einen Teamsport handelt. Denn ohne die Kombination aus geduldigem Pferd und dem Vertrauen in die helfende Partnerin könnte Voltigieren nicht stattfinden. Und das Climax M nicht nur ein "Hilfsgerät" bei der Ausführung ist, zeigt sich deutlich nach dem Ende der Kür und dem offiziellen Ausmarsch aus dem Zirkel, als das gesamte Team sich nacheinander liebevoll bei seinem "Mäx" bedankt und ihn immer wieder abklopft.

Auch danach gilt die Fürsorge von Laura Gendritzki erst einmal dem Pferd. In aller Ruhe wird er zum Ablongieren in die eigentliche Sporthalle des Vereins geführt und dort ausgiebig betreut. "Man konnte schon merken, dass Climax sehr nervös war. Es war schon ein Stück Arbeit, um ihn im Zirkel ruhig in den Galopp zu bekommen. Ich bin schweißnass", sagt die Trainerin mit einem Lächeln.

Beim Voltigieren lernen die Kinder Akrobatik, Turnen, Ausstrahlung, Teamgeist und die Zusammenarbeit mit dem Pferd. "Es ist wichtig, dass alle eine Vertrauensbasis zueinander aufbauen, sonst wäre dieses Zusammenspiel nicht möglich", sagt Laura Gendritzki, die das L-Team mit Sarah-Marie Walter trainiert. "Alle Übungen, die von uns Voltis auf dem Pferd ausgeführt werden, müssen zunächst am Holzbock geprobt werden. Dort holen wir uns die Sicherheit, um dann mit dem Pferd zu arbeiten", erklärt Marie-Christine Kyppers.

Auffällig beim VVS Kalkar ist, dass fast alle Trainerinnen selbst aktive Voltigierer waren. "Zwar gibt es seit 1998 die Altersbeschränkung bis zum 18. Lebensjahr nicht mehr. Aber es zeigt sich doch, dass die meisten Aktiven nach dem Ende der Schule ihre Laufbahn beenden. Wir versuchen deshalb, die Mädchen in diesem Alter dazu zu bewegen, in den Ausbilderbereich zu gehen", sagt Gregor Walter, Vorsitzender des Clubs.

Nachdem der Verein seine alte Heimstätte in Kellen hatte aufgeben müssen, wurde man sich nach längerer Suche mit dem Reiterverein Seydlitz in Kalkar einig und errichtete unter hohem persönlichen Einsatz der rund 130 Mitglieder, deren Familien und Freunde eine Voltigierhalle neben der bereits bestehenden Reithalle des Reitervereins.

"Dadurch ergeben sich für beide Vereine sehr schöne Synergieeffekte. Wir können auf eine bestehende tolle Logistik zurückgreifen, die uns zusammen mit dem eingespielten Organisationsteam die Abwicklung einer solchen Veranstaltung ermöglicht," sagt Walter. Der Vorsitzende ist sich an den beiden Turniertagen auch nicht zu schade, selbst für die Pflege des Bodens in der Halle zu sorgen. "Aber wir können auch mehr", sagt der Clubchef. Er hofft darauf, dass auf der wunderschönen Reitsportanlage am Wisseler See zukünftig vielleicht auch einmal noch größere Veranstaltungen stattfinden können.

Quelle: RP
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