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Klassentreffen
Eine echte Gemeinschaft - auch nach 62 Jahren

Emmerich. 1953 machten sie ihr Abitur am Staatlichen Gymnasium für Jungen und Mädchen. Obwohl zum Schluss in ihrer Klasse keine Mädchen mehr waren. "Zu Beginn hatten wir vier Mitschülerinnen, als letzte ging Marlene in der Unterprima. Wir haben die Mädchen wohl nicht genügend verwöhnt", schmunzelt Clemens Roelevink aus Elten, der damals gemeinsam mit 13 anderen Jungs die Reifeprüfung ablegte. "Wir waren eine echte Gemeinschaft, bis heute ist das Zusammengehörigkeitsgefühl sehr stark", erzählt Dr. Wilhelm Pfirrmann.

In den ersten Jahren habe man sich alle fünf Jahre getroffen, mittlerweile im gestandenen Alter von über 80 Jahren treffe man sich jedes Jahr, mal in Emmerich, aber auch in Würzburg, Herne, Bonn, Antwerpen oder Bonn, wo die Leute wohnen. Elf der 14 Emmericher Abiturienten leben noch, ein halbes Dutzend kam am Wochenende zusammen. Wilhelm Pfirrmann hatte das Treffen organisiert.

Es begann mit einem privaten Orgelkonzert am Samstag in der Aldegundiskirche. Kantor Stefan Burs spielte Beethoven, Bach und Mendelsohn. Anschließend gab es im Restaurant "Franz" einen kleinen Snack.

Beim Erzählen über alte Zeiten kam so manche Anekdote zutage. Der Chemielehrerin Frau Schöneberg misslang fast jeder Versuch. "Der ist zwar missglückt, aber ihr müsst es doch glauben, dass es so funktioniert", sagte sie dann immer, erzählte Bernhard Helmes, der sich auch gut an einen Streich mit dem Deutschlehrer erinnerte. Während dieser über sein Lieblingsthema "Goethe" referierte, strich er immer am Rande der Tische vorbei. An einem Tag hatten die Schüler sämtliche Tischränder mit Kreide angemalt, was zur Freude der Schüler auf dem dunklen Anzug ihres Lehrers sichtbar wurde. Die Zeichenstunde fand oft vor Ort statt. "Einmal mussten wir zwei alte Boote, die "Ursula" und den "Senator" skizzieren. Bei dem einen sahen sie wie Kriegsschiffe, bei dem anderen wie Segelboote aus", erinnert sich Pfirrmann. Intensive Untersuchungen gab es, als ein Fenster eingeschlagen wurde. Einzeln sollten die Schüler befragt werden. "Eigentlich wollte der Direktor bei "A" anfangen, aber weil van Aaken der Sohn des Bürgermeisters war, begann er von hinten im Alphabet. Bei "P" wie Pfirrmann hat er dann aufgegeben, weil keiner etwas sagte", sagt Pfirrmann.

Johannes Baumann, der aus Herne anreiste, konnte sich an Karnevalsfeiern in Emmerich erinnern. "Leider hatten wir am Dienstag wieder Schule. Einmal kam ich zu spät, weil ich verschlafen hatte." Er kam vom Vriendshof in Grietherbusch, musste die 15 Kilometer mit einem Fahrrad mit Vollgummireifen, später mit einem Motorrad, zurücklegen. Vor dem Schultor standen zwei Mädels seiner Klasse, die sich nicht hineintrauten. Er nahm sie mit und entschuldigte sich und die Mädels: "Herr Studienrat, wir haben verschlafen." Klar, dass die ganze Klasse lachte, weil man das wohl falsch hätte auslegen können.

Ebenfalls zum Treffen kamen Herbert Evers und Dr. Manfred Muhl, der aus Würzburg anreiste. Nach einer Kirchenführung durch die Aldegundiskirche, die Jürgen Pithan durchführte, gab es Kaffee und Kuchen an der Rheinpromenade, bevor bei "Franz" der Tag ausklang. Mit einem Frühschoppen am Sonntagmorgen endete die Runde.

von Monika hartjes

Quelle: RP
 
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