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Rees
Junge Autoren und ihre Lust am Schreiben

Emmerich. Der Blick aus dem Fenster ist alltäglich. Erst allmählich entdecken die neun jungen Teilnehmer der Schreibwerkstatt, dass der Reeser Marktplatz einen pittoresken Handlungsort hergibt. Sie erkennen Ecken und Winkel, sehen Menschen, die geschäftig hin- und hereilen oder gestenreich bei einem Schwätzchen zusammenstehen. Sie notieren stichwortartig, was ihnen zu dem beobachteten Geschehen einfällt und welche ersten, spontanen Ideen für eine kurze Erzählung sie haben. Dann verlassen sie ihren Aussichtsplatz in der ersten Etage der Stadtbücherei und setzen sich zusammen, um mit Thomas Hesse Figuren, Themenideen, Atmosphäre, Geräusche, Leben auf dem Marktplatz zu besprechen. Gleich soll es losgehen mit dem "Kreativen Schreiben nach Eindrücken", wie diese Methode der Werkstatt junger Schreiber heißt. Es wird geplaudert, debattiert, nachgedacht oder einfach herumgesponnen. Dann schreiben die neun Teilnehmer konzentriert auf, was ihre Fantasie hergibt.

Über mehrere Wochen haben sie viel gelernt - vom entscheidenden ersten Satz einer Geschichte über Interviews, Recherchevorbereitungen und Ideensammeln bis hin kreativen Methoden. "Und sie haben geschrieben, einfach weil es Spaß macht, und gutes Erzählen geübt", sagt Thomas Hesse, der als Autor unter anderem zwölf niederrheinische Kriminalromane veröffentlicht hat. Er ist sehr angetan vom Engagement der jungen Leute, die zusätzlich zum Schulunterricht in ungezwungener Atmosphäre ihr schreiberisches Talent entwickeln.

Thomas Dierkes, der Leiter der Stadtbücherei, hat diese erste Reeser Schreibwerkstatt initiiert und mit Hilfe des Projekts Schreibland.NRW sowie dem Literaturbüro NRW in Düsseldorf realisiert. Er hat im Vorfeld bei den Fachschaften Deutsch in Realschule und Gymnasium Aspel nachgefragt, ob ein solches Angebot Sinn macht. Die Antwort war "Ja". Die Werkstatt war in kürzester Zeit ausgebucht.

Thomas Dierkes ist begeistert vom Engagement der Schreiber. Nicht ohne Hintersinn, denn er hofft auf rege Teilnahme beim jetzt anstehenden Wettbewerb um den Tom-Sawyer-Preis. Doch zunächst steht am kommenden Mittwoch, 16. März, um 15.30 Uhr, die öffentliche Schlussveranstaltung in der Stadtbücherei an. Dann gibt es einen kleinen Überblick über die Lust am Schreiben der vergangenen Wochen.

"So schnell ist die Reihe schon zu Ende?", fragt Isabell, die gerade mit ihrer Nachbarin ihre Geschichte vom Marktplatz besprochen hat und sie gleich vorlesen will. Emma findet es "cool", dass es eine Schreibwerkstatt gibt. "Hier lernt man ganz ohne Notendruck die Technik des Schreibens", sagt sie. Nora mag es, dass man hier die eigene Fantasie spazieren führen darf und Fehler erlaubt sind. Denn aus denen lernt man. "Schön, dass man hier im geschützten Raum üben kann, ohne verlacht zu werden", sagt sie. Das stimmt, denn alle eint das Ziel, kreatives Schreiben zu üben.

Was das bedeutet, bekommt auch der Büchereileiter zu spüren. Die Schreibwerkstattteilnehmer haben ihn zum Interview geladen. Er soll über die Stadtbücherei Auskunft geben und hinter die Kulissen blicken lassen. Die Schüler haben sich intensiv vorbereitet und ihren Fragenkatalog mitgebracht. Thomas Dierkes antwortet kenntnisreich. Dann geht es zum Schreiben. Wie kann man das Interview am besten rüberbringen? Alles eine Frage geübten Schreibkreativität! Und schon eilen die Kugelschreiber über das Papier.

In NRW wurden in diesem Frühjahr 14 Schreibwerkstätten von SchreibLand NRW und dem Literaturbüro NRW unterstützt. Eine davon ist Rees. Weitere sollen folgen, um so eine Struktur für Kreatives Schreiben zu entwickeln. Die Initiative heißt SchreibLand NRW und findet statt in Zusammenarbeit mit örtlichen Aktivitäten.

Quelle: RP
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