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Himmel Und Erde
Steine können für Versöhnung stehen

Emmerich. Können Steine zur Versöhnung und Frieden aufrufen? Oft genug sind Steine im Spiel, wenn Menschen voll Hass und Gewalt sind.

Als in der Reichspogromnacht am 9. November 1938 jüdische Geschäfte, Häuser und Synagogen verbrannt und vernichtet wurden, waren es zunächst Steine, die die Fenster und Scheiben von Wohnungen und jüdischen Gotteshäusern zerstörten. Der sich nach dem 9. November 1938 eingebürgerte unselige Ausdruck "Kristallnacht" bezog sich auf die überall verstreuten Glasscherben vor den zerstörten Wohnungen, Läden und Büros, Synagogen und öffentlichen jüdischen Einrichtungen. Steine können aber auch Zeichen der Versöhnung und der Erinnerung sein. Seit dem Jahr 1992 gibt es das Projekt "Stolpersteine. Ein Kunstprojekt für Europa" des Künstlers Gunter Demnig. Mit im Boden verlegten kleinen Gedenktafeln soll an das Schicksal der Menschen erinnert werden, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die von einer kleinen Messingplatte bedeckten Stolpersteine werden meist vor den letzten frei gewählten Wohnhäusern der NS-Opfer niveaugleich in das Pflaster bzw. den Belag des jeweiligen Gehwegs eingelassen. Mittlerweile gibt es mehr als 58.000 Steine nicht nur in Deutschland, sondern auch in 19 weiteren europäischen Ländern. Die Stolpersteine sind damit das größte dezentrale Mahnmal der Welt. Demnigs Intention ist unter anderem, den NS-Opfern, die in den Konzentrationslagern zu Nummern degradiert wurden, ihre Namen zurückzugeben. Auch in Wesel gibt es mittlerweile 94 Stolpersteine zum Gedenken an jüdische Mitbürger, für 58 weitere Stolpersteine werden Spender gesucht. So wird die Gnadenkirche den Erlös ihres Gemeindefestes am 26. Juni für neue Stolpersteine in Wesel zur Verfügung stellen. Zehn Stolpersteine wurden in dieser Woche erst von Gunter Demnig an der Demmerstraße, der Beguinenstraße und auf der Baustraße in den Boden eingelassen. Seit 2009 werden in Wesel immer wieder Stolpersteine vor Häusern verlegt, in denen jüdische Familien lebten. Begleitet werden diese Stolpersteinaktionen von Schülerinnen und Schülern verschiedener Weseler Schulen. Damit wird auch an dieser Stelle deutlich, was für Gunter Demnig neben dem Erinnern noch wichtig ist. Trotz des Begriffs Stolpersteine geht es Demnig nicht um tatsächliches "Stolpern". Er zitiert auf die Frage nach dem Namen des Projektes gern einen Schüler, der, nach der Stolpergefahr gefragt, antwortete: "Nein, nein, man stolpert nicht und fällt hin, man stolpert mit dem Kopf und mit dem Herzen."

THOMAS BRÖDENFELD

Quelle: RP
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