| 20.25 Uhr

Emmerich
Streit an der Strecke

Emmerich. Die neue Initiative "IG BISS" macht Front gegen die Unterschriftenaktion von Politik und "Betuwe – So nicht!" Sie fordert kompromisslos die Verlagerung des Betuwe-Verkehrs aus Dörfern und Städten. Von Markus Balser

Deutlicher hätte sich der Riss, der durch die Betuwe-Anrainer zu gehen scheint, kaum zeigen können: Während am Wochenende in Emmerich und Rees Politiker von CDU, SPD, FDP, Grünen und der Bürgergemeinschaft Emmerich sowie der Initiative "Betuwe – So nicht!" ihre Unterschriftenaktion starteten, blieb auch die neu gegründete "IG BISS" nicht untätig. Die "Interessengemeinschaft Betuwe-Initiative Sicherheit-siedlungsfern" verteilte beim Emmericher Frühlingsfest Flugblätter, in denen davor gewarnt wird, sich an der Unterschriftenaktion zu beteiligen. Wer diese unterstütze, nehme die Gefahr von 400 bis 450 Zügen mit 40 Prozent Gefahrgütern, die täglich durch Städte und Dörfer fahren werden, in Kauf.

Emmerichs Bürgermeister Johannes Diks, der zusammen mit seinem Reeser Amtskollegen Bruno Kettler und Vertreter der Parteien in der vergangenen Woche zu der Unterschriftenaktion aufgerufen hatte, nahm das Flugblatt der "IG BISS" mit Unverständnis zur Kenntnis. "Man kann ja gerne für seine Ziele werben, sollte dann aber dabei nicht unbedingt andere angreifen", sagte er.

Konflikt brodelt bereits

Doch der Konflikt zwischen alter und neuer Betuwe-Initiative brodelt bereits: "Wir werden ähnliche Aktionen auch in Rees und den anderen von der Betuwe betroffenen Städten durchführen", kündigte gestern Jan-Simon Laarakker von der "IG BISS" gegenüber der RP an. Seiner Ansicht nach streue die Unterschriftenaktion von Politik und "Betuwe – So nicht!" dem Bürger Sand in die Augen. "Was hier gefordert wird, ist total schwammig", kritisiert Laarakker. Er vermutet: "Wenn keine Wahlen anstünden, wäre die Betuwe für die Politik momentan wahrscheinlich gar kein Thema."

Dass es eines für den Wahlkampf wird, ist indes nicht unwahrscheinlich. Auf der Internetseite des Emmericher Ortsverbands der Partei "Die Linke" finden sich die Forderungen der "IG BISS" bereits wieder. "Im Gegensatz zu anderen Parteien fordern wir eine grundlegende Überprüfung zur Auslagerung der Streckenführung der Betuwe-Linie", heißt es dort unter anderem. Konkret verlangt wird die Streckenverlagerung des Betuwe-Verkehrs hin zur A3.

Dieser Forderung war am Wochenende noch einmal eine deutliche, parteiübergreifende Abfuhr durch Bundestags- und Landtagsabgeordnete erteilt worden (die RP berichtete). Wer zeitnah Ortsumfahrungen, Unter- und Überführungen sowie Lärmschutz wolle, müsse sich zur möglichst schnellen Umsetzung der bestehenden Pläne bekennen, hieß es in einem Schreiben, das unter anderem von Ronald Pofalla, Dr. Barbara Hendricks, Paul Friedhoff und Landrat Wolfgang Spreen unterzeichnet war.

Weiter könnten die Auffassungen also kaum auseinander liegen. Jan-Simon Laarakker schließt zwar eine Zusammenarbeit mit der Politik nicht aus, er macht jedoch deutlich: "Eine Alternative zur Verlagerung der Strecke gibt es in unseren Augen nicht."

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Emmerich: Streit an der Strecke


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.