| 00.00 Uhr

Rees
Stücke, die unter die Haut gehen

Rees: Stücke, die unter die Haut gehen
Die Band aus Manchester bei ihrem Auftritt im Tonstudio. FOTO: Thomas Binn
Rees. Die Band "The Slow Show" präsentierte während des Festivals ihr neues Album im Tonstudio von Klaus-Dieter Keusgen vor kleinem Publikum. Von Sebastian Latzel

Klaus-Dieter Keusgen wird einen ganz großen Wischmop benötigt haben. Denn zum exklusiven Mini-Konzert von Slow Show stiefelten die Besucher direkt vom Zeltplatz in sein Studio - und brachten dann gleich gefühlte zehn Kilo Schlamm an ihren Schuhen mit in den Aufnahmeraum. Das hielt viele trotzdem nicht davon ab, sich ganz entspannt auf den Boden zu setzen. Schließlich erwarteten sie einen ganz besonderen Auftritt. Für die Medien und Gewinner einer Verlosung präsentierten The Slow Show erstmals Songs ihres neuen Albums. Ein Livetest für den zweiten Tonträger der Band, das schwierige zweite Album, wie es immer heißt. Denn damit muss jede Combo zeigen, ob das Debüt nur eine Eintagsfliege war oder Potenzial für mehr da ist.

Für The Slow Show eine besondere Herausforderung, wie Sänger Rob Goodwin erläutert. "Wir mussten das Album viel schneller aufnehmen, das war eine ganz andere Situation für uns." Von Nervosität ist bei der Band aber nichts zu spüren, die sich für den Auftritt mit Bläsern, Streicher und einem Gitarristen verstärkt hat. Trotz der großen Besetzung bleibt Goodwin weiterhin der unumstrittene Mittelpunkt der Band aus Manchester. Seine Stimme ist es, die Songs zu Slow-Show-Songs macht. So dunkel und tief. Andere Sänger brauchen für einen solchen Bariton die Hilfe von Computern und Elektronik, Goodwill ist dieser Klang in die Kehle gelegt.

Die Reaktionen der Fans zeigen schnell: Mit ihren neuen Stücken knüpfen Slow Show nahtlos da an, wo sie bei ihrem Debüt "White Water" aufgehört haben. Gleichzeitig wird aber auch immer mehr deutlich, dass die Stimme von Goodwin Fluch und Segen zugleich für die Band ist. Sie kann sich darauf verlassen, aber sie darf sich darauf nicht ausruhen. Noch geht das Konzept der ruhigen, vom sonoren Bariton getragenen Stücke auf, sie gehen unter die Haut. Doch auf Dauer kann sich das abnutzen. Slow Show wären gut beraten, das ein oder andere Mal auch etwas aufs Gaspedal zu drücken.

Dass sie es können, zeigen sie beim Song "Ordinary Lives". Der geht ab, ohne die Slow-Show-Magie zu zerstören. Kein Wunder, dass das Stück von den Gästen am meisten gefeiert wurde. Und es war sicher auch kein Zufall, dass dieses Lied zu den zwei Songs gehörte, die die Band anschließend noch per 360-Grad-Videoaufnahme mitschneiden ließ. Die Besucher wurden so gleich Teil des Videos.

Der Schlamm am Boden war da längst vergessen. Und getrocknet.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Rees: Stücke, die unter die Haut gehen


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.